New York

Nur ein einziges Mal saß er Saddam Hussein gegenüber. Das war im Sommer 1995, als Bill Richardson noch Abgeordneter der Demokratischen Partei war. Der Amerikaner sollte zwei Landsleute aus dem Irak herausholen, die aus Versehen die Grenze von Kuwait nach Irak überschritten und dann 114 Tage in Husseins Gefängnissen verbracht hatten. Die Begegnung mit dem irakischen Präsidenten war nicht Richardsons erste mit einem Gewaltherrscher. Nachdem ihn Reisen zu den Diktatoren Nordkoreas, Birmas und Haitis geführt hatten, nannte man ihn in Washington frotzelnd den "Unterstaatssekretär für Gangster und Halsabschneider".

Hussein aber, so erzählte der heutige UN-Botschafter der Vereinigten Staaten in einem Gespräch, habe sich ein "besonders finsteres und feindseliges Image" gegeben: Der Emissär aus Amerika hatte die Beine gekreuzt und seinem Gastgeber die Schuhsohlen gezeigt - nach arabischer Sitte eine tödliche Beleidigung. Doch Richardson entschuldigte sich nicht. "Ich war aufrichtig und zäh und habe damit Husseins widerwilligen Respekt gewonnen."

Beim Versuch, die jetzige Irak-Krise beizulegen, hat der Diplomat, einziger Berater im inneren Kreis Bill Clintons, der Hussein überhaupt jemals begegnet ist, bisher weniger Erfolg als in seiner einstigen Rolle als troubleshooter.

Die beiden Gefangenen im Irak kamen ebenso frei wie zuvor zwei Amerikaner in Nordkorea in Haiti half Richardson bei der Rückkehr des Präsidenten Jean Paul Aristide. Auf dem glatten diplomatischen Boden in New York aber ist Richardson bislang kaum ein Durchbruch gelungen.

Daß Richardson an den East River kam, hat viel mit seiner Herkunft zu tun und mit seiner Vergangenheit als Sonderbotschafter des Präsidenten. Clinton benötigte nach den Wahlen 1996 einen spanischstämmigen Vertreter im Kabinett - Richardsons Mutter ist Mexikanerin, der Vater Bankier an der Ostküste.

Zudem vertrat der Abgeordnete vor seiner Berufung vierzehn Jahre lang den dritten Wahldistrikt im Bundesstaat New Mexico - eine veritable Mini-UN -, in dem neben 28 Indianerstämmen alle Rassen und Klassen Amerikas vertreten sind.