DIE ZEIT: Monsieur Courtois, Sie betonen, der Kommunismus habe 100 Millionen Menschen auf dem Gewissen, und vergleichen das mit den 25 Millionen Opfern des Nationalsozialismus. Was soll diese Rangliste des Grauens?

STÉPHANE COURTOIS: Die Zahlen spiegeln die Realität wider. Die Größenordnung soll der Öffentlichkeit vor Augen führen, daß der Kommunismus eine enorme Tragödie verschuldet hat, deren Ausmaß mindestens so groß ist wie die Tragödie, die der Nationalsozialismus verantworten muß.

ZEIT: Sie behaupten, der Kommunismus habe weltweit Verbrechen begangen, die nach der Definition des Kriegsverbrecherprozesses von Nürnberg "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" sind - also die Ermordung, Ausrottung, Versklavung oder Deportation von Teilen der Bevölkerung aufgrund politischer, rassischer oder religiöser Motive.

COURTOIS: Kommunistische Regime haben alle Arten von Verbrechen begangen, und die schlimmsten darunter entsprechen dieser Definition. Die Art etwa, wie in Sowjetrußland ab 1920 die Kosaken behandelt wurden, entspricht der Logik des Völkermordes. Die Männer wurden getötet, die Frauen, Kinder und Alten wurden deportiert, ihre Dörfer zerstört. Die Kosakenbevölkerung wurde ausgelöscht.

Das gleiche gilt für die Kaukasusvölker ab 1943 oder die Wolgadeutschen 1941.

Die Ähnlichkeit mit den großen Nazirazzien gegen Juden und Zigeuner ist frappierend. In beiden Fällen wurde eine Bevölkerungsgruppe verfolgt für das, was sie ist, und nicht für das, was sie getan hat. In beiden Fällen stellte der Staat eine ganze Deportationsinfrastruktur bereit.

ZEIT: Sie sprechen vom russischen "Klassengenozid" und vom deutschen "Rassengenozid". Kann die Parallele unbegrenzt gezogen werden?