COURTOIS: Wenn man die Verbrechen beider Systeme an ihrer Unmenschlichkeit und ihren Unterdrückungsmethoden mißt, gibt es kaum Grenzen bei der Parallele. Das bedeutet nicht, daß beide Systeme und ihre Verbrechen identisch sind. Aber als Wissenschaftler ist es unerläßlich und legitim, beide Systeme vergleichend zu betrachten. Das nicht zu tun wäre nicht normal.

ZEIT: Warum?

COURTOIS: Die historischen Fakten, die wir heute kennen, zwingen uns dazu.

Wir wissen seit 1945, daß es das gab, was man das "absolute Böse" nennt - den Nationalsozialismus. Seit kurzem sind viele Archive zum Kommunismus zugänglich. Heute müssen wir feststellen, daß es im Osten, vor allem in der Sowjetunion und in China, vergleichbare Verbrechen gab wie im Nationalsozialismus. Diejenigen, die das leugnen, müssen sich nach ihren Motiven fragen lassen.

ZEIT: Was vermuten Sie?

COURTOIS: Die Abwehrreaktionen, die unser Buch auslöst, sprechen für sich selbst. Viele Leute, die jahrzehntelang die Bewegung und Ideologie des Kommunismus unterstützt haben und seinen Illusionen erlegen sind, wollen heute nicht eingestehen, daß sie geirrt haben.

ZEIT: Wie sollten diese Leute aus Ihrer Sicht heute reagieren?