Kann es ein Gelingen geben? Darf es das geben angesichts des nationalsozialistischen Massenmordes, der schon das unschuldige Wort "angesichts" unmöglich macht? Im zehnjährigen Streit um das Berliner Holocaust-Mahnmal etablierte sich eine mächtige Fraktion des Scheiterns. Sie beharrte auf einem Denkmal der Täter und mithin für alle Opfer sie stellte den Ort in Frage sie forderte einen bewußten Verzicht und eine Stiftung für die Opfer. Jene Positionen blieben brüsk, und ihre Wortführer wurden brüskiert.

Dennoch war nach der dritten Etappe des Denkmalstreites eine Art Aufatmen zu spüren. Der Förderkreis um Lea Rosh, der nie recht verstanden hatte, wie sehr die Bitterkeit der Debatte zum Thema gehörte, zeigte Genugtuung. Die vier ausgewählten Vorschläge bewirkten, daß auch die Presse zum ersten Mal mehr über die Entwürfe als über das Verfahren selbst redete.

Dabei zeigte das Verfahren genau jene fatalen Manöver, die es bislang mit dem Odium des Scheiterns tränkten. Die Findungskommission, besetzt durch Josef Kleihues, Dieter Ronte, Christoph Stölzl, Werner Hofmann und den amerikanischen Denkmalexperten James E. Young, mußte am Ende zwei Arbeiten auswählen. Der Förderkreis, bestärkt durch einen Vorstandsbeschluß, setzte dann noch den Pariser Konzept-Art-Vertreter Jochen Gerz durch, mit dem er vorher im harten Streit war. Er sollte den volkspädagogischen Anspruch bewahren. Das brachte den Berliner Senat dazu, seinen Kandidaten Daniel Libeskind ins Spiel zu bringen. Diese Mißachtung der Findungskommission bedauerte Young.

Peinlich war auch die hemdsärmelige Zufriedenheit, mit der der Kultursenator Peter Radunski kundtat, daß nun auch auf dem Sektor Ikonographie die Hauptstadt im Zeitplan sei. Er betonte, man habe inzwischen gelernt und wolle das Verfahren mit "eingebauter Öffentlichkeit" zu Ende führen und es nicht mehr nur "der Diskussion in den Feuilletons" überlassen. Ein aufschlußreicher Versprecher: Er sprach von der "Scham" über die Holocaust-Debatte. Im Januar soll alles schnell gehen, die Debatte der Parlamente in Bonn und Berlin, die Meinungen im Besucherbuch der Entwurfs-Ausstellung, die Entscheidung schließlich. Am 20. Januar 1999, zum Jahrestag der Wannsee-Konferenz, soll der Grundstein gelegt werden. Trotz solchen Auftrumpfens werden die Gegner es schwer haben. Die Entwürfe zeigen, daß die Debatte sinnvoll war.

Der Entwurf von Libeskind ist dabei vielleicht der schwächste. Er öffnet einen dritten Stadtplatz und schafft eine versöhnliche städtebauliche Perspektive. Die mit Beton ausgegossenen Leerstellen ("Voids") seines Jüdischen Museums erheben sich als riesige Mauersegmente (21 m hoch - die Berliner Traufhöhe! - und 115 m lang). Sie stehen auf dem Grundriß des Reichstags, der allerdings doch nur die Größendimension verdeutlichen soll.

Seine Arbeit wirkt wie ein Selbstzitat seines dekonstruktivistischen Katalogs.

Jochen Gerz legt über das riesige Terrain eine Stahlplatte, auf 39 Lichtmasten soll in Leuchtschrift das Wort "Warum" stehen. Die Besucher sollen ihre Antworten hinterlassen, die dann als permanenter Kommentar per Computer in Stein geritzt werden. Sie schaffen im Lauf der Jahre das eigentliche Denkmal. Gerz überhöht das Konzept zum Ort der wahren Demokratie, wo "Platz gemacht" wird für die Menschen, die "ihrer eigenen Spur begegnen".