Frankreichs kommunistische Partei ist die einzige in Europa, die ihren Namen nicht verändert hat. Neben Italien ist Frankreich das einzige Land der Europäischen Union, in dem die Kommunisten an der Regierung beteiligt sind.

Und Frankreich ist neben Italien das einzige Land, in dem jedes Jahr eine kommunistische Festveranstaltung - La Fête de l'Humanité - zum Volksereignis mit Zigtausenden Besuchern werden kann. Che Guevara und Fidel Castro sind hier noch ziemlich populär. Und deshalb ist Frankreich auch das einzige Land Europas, in dem die Veröffentlichung eines Buchs über die historischen Verbrechen des Kommunismus zu einem Eklat im Parlament führen kann.

Am 12. November nutzten ein paar Abgeordnete der bürgerlichen Partei UDF die aktuelle Stunde in der Assemblée Nationale, um den Premierminister über die "85 Millionen Opfer des Kommunismus" zu befragen: "Was halten Sie von diesem Buch, Herr Jospin? Was wollen Sie tun, um diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die solche Verbrechen unterstützt haben?"

Der Premierminister wählte in seiner Antwort starke Worte: "Die Revolution von 1917 gehört zu den großen Ereignissen unseres Jahrhunderts. Die Sowjetunion, was auch immer man über Stalin meinen kann, war unsere Verbündete gegen Nazideutschland. Ja, der Gulag und der Stalinismus müssen en bloc verurteilt werden, und womöglich haben die französischen Kommunisten dies zu spät getan. Aber für mich hat der Kommunismus zu tun mit der Volksfront, den Kämpfen der Résistance, den Regierungen von 1945 und 1981.

Ich bin stolz, daß der Kommunismus in meiner Regierung vertreten ist."

Die Abgeordneten aller linken Parteien dankten mit Standing ovations. Ein paar wütende Leute der bürgerlichen UDF verließen den Saal, die Gaullisten blieben. Jospin hatte die Rolle der kommunistischen Partei in diesem Jahrhundert hochgelobt, ohne die Opfer des Stalinismus auch nur zu erwähnen.