Im Land Brandenburg gibt es Sinnprobleme. Sie sind der Grund für Fremdenfeindlichkeit und rechtsextreme Gewalt, schrieb Professor Jürgen Dittberner in der ZEIT Nummer 46. Als Sinnvermittler schlägt Dittberner die Kirche, die Pädagogik und die Wissenschaft vor.

POTSDAM. - Wo liegen die Gründe für die von Professor Dittberner beobachtete geistig-kulturelle Leere in Brandenburg und die nicht zu bestreitende rechtsextreme Gewalt? Das areligiöse Umfeld, das eine Beliebigkeit von Glauben, Religionen und Werten suggeriere, sei die Ursache. Diese Beliebigkeit gab es früher nicht in Brandenburg, und sie soll es auch künftig nicht geben, wenn auch unter anderem Vorzeichen als früher. Das Schulfach LER gehöre abgeschafft und durch Religionsunterricht ersetzt. Der Staat solle für den Religionsunterricht werben, meint Dittberner. Obwohl die kirchlichen Bindungen in den alten Bundesländern nachlassen, hat die vorher schon vorhandene Kluft zwischen Ost- und Westdeutschland in der Religiosität nach der Wende noch zugenommen, wie uns Sozialwissenschaftler mitteilen. Die Werbung des Staates müßte also recht massiv sein, um Wirkungen zu zeigen. Am besten, man führt Schulungen durch, an so etwas sind ja die Brandenburger von früher her gewöhnt. Das wird vielleicht auch nicht reichen. Deshalb müßten diejenigen Lehrer in Brandenburg abgelöst werden, die aufgrund ihrer DDR-Sozialisation nicht in der Lage seien, das Wertesystem des Grundgesetzes zu vermitteln, schlägt Dittberner vor. Sie seien durch junge Uni-Absolventen zu ersetzen, die "so schnell wie möglich in ihre Arbeitsplätze eingewiesen werden" sollen.

Gab es nicht auch in der Bundeswehr in letzter Zeit mehrfach rechtsextreme Vorfälle? Und hat sie nicht Offiziere und Mitarbeiter der einstigen Nationalen Volksarmee der DDR übernommen? Ablösen! Bloß, wie stellt man fest, ob jemand in der Lage ist, das Wertesystem des Grundgesetzes zu vermitteln?

Der "große Lauschangriff" ist wohl dafür nicht gedacht.

Bei den Ostdeutschen sind nicht nur atheistische Einstellungen häufiger als bei den Westdeutschen, sie sind auch skeptischer gegenüber Esoterik und Astrologie. Auch diese westlichen Werte müssen den Ostdeutschen nahegebracht werden. Auf der Reiseseite der Berliner Zeitung stellte Uta Berg kürzlich ein österreichisches Reiseunternehmen vor, das besonders um weibliche Kunden wirbt. Wer mit diesem Unternehmen nach Salzburg reist, kann dort eine Astrologin besuchen. Ostdeutsche Frauen, sollten sie Salzburg aufsuchen, werden vermutlich anderes im Sinn haben als zur Astrologin zu laufen. Sie wollen einfach die westlichen Werte nicht übernehmen.

Auch mit den Werten Selbstverantwortung und Wahrnehmung von Chancen in der Marktwirtschaft gibt es noch Defizite, nicht nur im Lande Brandenburg.

Ostdeutsche Mütter beispielsweise verhalten sich immer noch so, als müßten sie staatliche Vorschriften erfüllen. Noch bis vor kurzem gingen sie mit ihren Säuglingen und Kleinkindern häufiger zum Impfen, als das in Westdeutschland üblich ist. Es gibt nun keine Impfpflicht mehr, liebe ostdeutsche Mütter! Sie können in der neuen Freiheit Ihrer Selbstverantwortung auch nachkommen, indem Sie Ihre Kinder nicht impfen lassen. Wie erklärte kürzlich eine westdeutsche Mutter in der "Tagesschau"?