Die Arbeit der Kommission für Zukunftsfragen, 1995 vom sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf und seinem bayerischen Kollegen Edmund Stoiber ins Leben gerufen, ist abgeschlossen. Der Bericht wird den Initiatoren am 25. November übergeben. Soviel ist gewiß: Die Arbeit hat sich gelohnt.

Im Zentrum steht eine genaue Analyse der Beschäftigungsverhältnisse und der Rolle, die Arbeit spielt, heute und in Zukunft. Die Kommission möchte innovativ sein. Ein Beleg dafür ist der Vorschlag zur "Bürgerarbeit als politischer Option". Diese Idee weist zwar nicht unmittelbar einen Weg aus der Krise der Arbeit, könnte jedoch helfen, besser mit ihr umzugehen.

Auf die düstere Prognose, daß die steigende Produktivität künftig immer mehr Arbeitsplätze vernichten wird, hat die Kommission durchaus eine Antwort. Der Soziologe Ulrich Beck, Kommissionsautor zum Kapitel Bürgerarbeit, hat sie formuliert. Sie heißt: Arbeit.

Das scheint paradox, ist jedoch ernst gemeint und ernst zu nehmen. Die These lautet: Es gibt noch genügend Arbeit in dieser Gesellschaft. Sie wird nur nicht bezahlt, weil sie nach den herkömmlichen Mustern der Arbeitsgesellschaft nicht als Arbeit anerkannt wird - Bürgerarbeit eben.

Gemeint sind alle Formen ehrenamtlicher Tätigkeit, vom Engagement im Verein bis zur freiwilligen Gemeinwohl-Arbeit - in Deutschland schlecht belohnt, wenn es überhaupt Geld dafür gibt.

Das möchte die Zukunftskommission ändern. Sie findet, Bürgerarbeit müsse bloß intelligent organisiert werden - für den Umweltschutz, Bildung, Gesundheit, die Behindertenhilfe oder auch für Kunst und Kultur. Das Potential jener, die sich für Bürgerarbeit einsetzen, beschränke sich keineswegs auf Betuchte, die sich schon immer auch ehrenamtlich für das Gemeinwohl engagiert haben.

Bürgerarbeit im Sinn der Kommission ist vor allem für Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger interessant Bürgerarbeit wäre zudem ein Weg, deren soziale Situation zu verbessern und die Chance für eine Rückkehr in die normale Arbeitswelt zu verbessern.