Wenn die russische Regierung die teilweise hervorragende Forschung erhalten will, muß sie schleunigst beginnen, zielgerichtet zu investieren. Sie braucht die Fehler mancher westlicher Sponsoren nicht zu wiederholen, die notleidende Institute in Rußland unterstützten, ohne daß diese sich zuvor umstrukturiert hatten. Da ist viel Geld in löchrige Hosentaschen geflossen. "Aus den negativen und positiven Erfahrungen anderer Länder müssen wir unsere Schlüsse ziehen", meint Wissenschaftsberater Scheregij und fragt provozierend: "Warum sollten sich russische Experten nicht einmal genau ansehen, wie die Deutschen mit dem Hochschulerbe der DDR fertig geworden sind?"

Anders als zur Sowjetzeit hat der zum Teil heute noch gepflegte Wissenschaftsprotektionismus auf Dauer keine Chance, warnt Wladimir Asmolow im Institut für Reaktorsicherheit. "Wir brauchen den engen Austausch mit ausländischen Wissenschaftlern genauso wie den Wettbewerb. Entscheidend für unseren Erfolg war, daß wir im internationalen Vergleich überzeugende Leistung boten, und, wenn möglich, besser waren als andere."

Asmolow hat heute leicht reden in seinem Ledersessel. Sein Kollege Kucharkin auf der anderen Seite des Ganges ist gewiß kein schlechterer Wissenschaftler.

Doch lebt ein flexibles Institut mit 130 Mitarbeitern eben besser als ein Forschungskoloß mit 1000 Mann. Für die Reformer in der russischen Regierung und der Akademie lohnte ein Besuch im Kurtschatow-Institut. Drei Meter Korridor - wo sonst ist der Weg zur Erkenntnis so kurz?