In dem Film "Peanuts - die Bank zahlt alles" machen die Kreditgeber des Immobilienspekulanten Jürgen Schneider keine allzu gute Figur: Tölpelhaft fallen sie auf die Tricks des Baulöwen herein, bedenkenlos werfen sie ihm Geld hinterher. Der Prozeß vor dem Frankfurter Landgericht zeigt, daß die Satire stark untertrieb: Die Wirklichkeit war noch viel grotesker.

Schneider hatte in seiner Prozeßtaktik von Anfang an eine Mitverantwortung seiner Gläubiger unterstellt und in der Hoffnung, glimpflich davonzukommen, zunächst die Aussage verweigert. Den Betrugsvorwurf konnte der Angeklagte damit nicht aus der Welt schaffen. Und seitdem er sein Schweigen beendet hat, muß er immer wieder, wenn auch meist erst auf hartnäckiges Drängen des Vorsitzenden Richters Heinrich Gehrke, Schuld einräumen.

29. Verhandlungstag (11. November): Zur Finanzierung eines Objekts in der Berliner Tauentzienstraße mit einem tatsächlichen Kaufpreis von 83 Millionen Mark hatte Schneider bei der Norddeutschen Landesbank (NordLB) einen Kredit über 151 Millionen Mark beantragt. Auszahlungsvoraussetzung war die Vorlage des Kaufvertrages. Schneider brachte die NordLB dazu, sich mit einer Einsichtnahme zu begnügen, bei der er außer dem Kaufvertrag eine fingierte Unterlage über 68 Millionen Mark vorlegte. Den Ablauf schilderten vor dem Frankfurter Landgericht der Angeklagte selbst und von der NordLB der Leiter des Immobilienbereichs Leonhard Goebel und dessen Sekretärin Rosemarie Plewe.

Angeklagter Schneider: Ich habe den Kaufvertrag vorgelegt und dann ein Verwirrspiel getrieben, indem ich von Restitutionsansprüchen und Tod und Teufel, von Abfindungen, Zinsen und Vorhaltekosten und was noch alles erzählt habe, "wir sind persönlich haftend", und was alles im allgemeinen in dem Wert eines Objekts untergebracht werden muß, welche Kosten und Risiken. Ich hatte einen alten Vertrag von der European Pacific, kombiniert mit einer holländischen Firma. Das habe ich ihm hingelegt. Das hat ihn aber gar nicht mehr so sehr interessiert. Ich habe ihn also intensiv in das Gespräch verwickelt, und ich wunderte mich, daß das funktionierte.

Richter Gehrke: Sie hätten doch einem Mann begegnen können, der sagt: "Jetzt seien Sie einen Moment ruhig, ich muß mir das mal genau angucken!" Dann hätte der Trick ja überhaupt nicht funktioniert, daß Sie mit irgend etwas vor seiner Nase herumwedeln und er dann nicht mehr genau hinguckt, ob das vielleicht die Rechnung von Ihrem Schneidermeister ist!

Sie waren in der Situation, einen Kaufpreis, der so gar nicht existent war, darlegen zu müssen. Sie konnten ihm nicht den Vertrag übersenden, weil es nur 83 Millionen waren.

Sie konnten aber auch nicht davon ausgehen, daß er sich mit dem, womit Sie so herumwedelten, zufriedengibt. Also mußten Sie notfalls ein Schriftstück vorlegen können, das scheinbar sich damit befaßt, daß Sie Abfindungszahlungen an irgend jemanden geleistet hatten.