ROM. - Während der vergangenen sechs Jahre sind 38 Millionen Menschen in der Subsahara noch tiefer in Armut versunken. Der Grund: die internationale Schuldenlast ihrer Regierungen und das strukturelle Anpassungsprogramm, das ihnen von internationalen Finanzinstitutionen auferlegt worden ist. Bezogen auf den einzelnen Menschen, bedeutet die Entwicklung, daß jeder einzelne in der Dritten Welt dem Westen ungefähr 420 Dollar schuldet.

JoÆo, ein Junge, der in Mosambik Orangen verkauft, müßte 4400 Körbe voll verkaufen, um seinen Teil der Schulden zu begleichen. Die Frau, die ihre Häkelarbeiten auf einem Straßenmarkt in Simbabwe anbietet, müßte hundert gehäkelte Bettdecken produzieren und verkaufen. Die Lehrerin in Sambia müßte vierzehn Monatsgehälter hergeben.

Was bedeutet es unter diesen Umständen, die Länder der Dritten Welt einzugliedern, wie es die entwickelte Welt anstrebt?

Durch makroökonomische Politik werden die Menschen derzeit noch tiefer in die Armut getrieben. Diese Maßnahmen sind unter der Bezeichnung "strukturelle Anpassung" bekannt, die ihren Regierungen von dem International Monetary Fund und der World Bank auferlegt wurden und die sie um künftiger Kredite und einer Umschuldung willen befolgen müssen. Die UN-Kinderorganisation Unicef und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) stellen fest, daß die Kosten der strukturellen Anpassung überproportional von den Armen und ihren Kindern getragen werden müssen. Solange für Entwicklungshilfe und Schuldenerlaß rigide strukturelle Anpassungsmaßnahmen verlangt werden, die die Armut intensivieren und weiterverbreiten, müssen die Armen einen doppelten Preis zahlen.

In Simbabwe mußten Schulgebühren und Unkostenbeiträge für die medizinische Grundversorgung wiedereingeführt werden. Diese Auflagen zur Kostenreduzierung werden von unabhängigen Beobachtergruppen unter anderem dafür verantwortlich gemacht, daß der Schulbesuch sinkt, besonders bei Mädchen. Seit die Anpassungsmaßnahmen vor zwei Jahren eingeführt wurden, gingen der Aufwand für Gesundheitswesen und Krankenhausaufenthalte zurück, und die Zahl der Frauen, die im Kindbett starben, verdoppelte sich.

Weil es vor allem den Regierungen der nördlichen Hemisphäre an politischem Willen fehlt, verzögert sich die vielpublizierte Hilfe für die hochverschuldeten armen Länder. Diese Verzögerung verlangt von den Ärmsten in der südlichen Hemisphäre einen hohen Preis. Uganda kostet der einjährige Aufschub der Schuldenentlastung sechsmal soviel, wie die Regierung insgesamt für die Gesundheitsfürsorge ausgibt. Mosambik - das sich nicht vor 2002 für einen Schuldenerlaß qualifizieren wird - wird in diesem Jahr 240 Millionen Dollar für den Schuldendienst aufbringen für den Wiederaufbau nach dem Kriege stehen dem Land nur 144 Millionen zur Verfügung.

Solange wir nicht erkennen, daß die internationale Schuldenlast das Leben von Menschen direkt berührt, wird dieses Problem nicht zu einem moralischen Imperativ führen. Aus diesem Grunde verlangen immer mehr religiöse Organisationen einen Schuldenerlaß aus Gründen der Gerechtigkeit. Sie haben erkannt, daß die Schuldenfalle wirtschaftlich untragbar und moralisch unannehmbar ist. Untragbare Schulden der ärmsten Nationen sind eine neue Form der Sklaverei, die gegenwärtige und künftige Generationen an eine menschenunwürdige Armut kettet. Dieses Problem anzugehen verlangt kühne Aktionen und prophetische Lösungen.