Immer wenn es schlecht steht um den Standort Deutschland, hat ein Thema Hochkonjunktur: die Beteiligung der Beschäftigten am (Miß-)Erfolg ihrer Betriebe. Von den CDU-Sozialausschüssen bis zur grünen Galionsfigur Joschka Fischer sieht eine große Mehrheit im demokratischen Parteienspektrum den Kollegen Kapitalisten als zentrale Antwort auf den rasanten Wandel in Gesellschaft und Wirtschaft.

Tarifpartner stehen da nicht hintan. Erst Anfang dieser Woche ergriff der mächtige Arbeitgeberverband Gesamtmetall die Initiative. Trotz Widerstands in den eigenen Reihen drängt Gesamtmetall-Präsident Werner Stumpfe die IG Metall, "der Einführung erfolgsabhängiger Entgeltbestandteile" zuzustimmen.

Mal abgesehen davon, daß ein solches Begriffsungetüm den anvisierten Kulturwechsel in Fabriken und Büros eher blockiert und der Vorschlag nicht ganz frei ist vom üblichen Tarifpoker, zielt Stumpfe zumindest in die richtige Richtung.

Vor allem die immer ungleicher werdende Vermögensverteilung spricht dafür, die traditionelle Rolle der Arbeitnehmer als pure Gehalts- oder Lohnempfänger zu überdenken. Wenn Gewinne und Dividenden explodieren, gleichzeitig die Reallöhne über Jahre stagnieren, dann ist das Modell der sozialen Marktwirtschaft in Gefahr. Wer es bewahren und einen halbwegs gerechten Ausgleich zwischen Arbeit und Kapital schaffen will, muß mehr Mitarbeiter zu Mitunternehmern machen. Es kann nicht gutgehen, daß vom Shareholder value - neben den Aktionären - nur Topmanager profitieren.

Nicht nur die Vorteile für das Gemeinwesen, sondern auch diejenigen für die Betriebe liegen auf der Hand. Wer in einem ersten Schritt am Gewinn beteiligt wird und später vielleicht Anteile seines Betriebes erwirbt, der identifiziert sich mehr mit seiner Arbeit. Organisationspsychologen haben nachgewiesen, daß in solchen Unternehmen die Produktivität steigt. Angesichts eines schärfer werdenden Wettbewerbs können sich Firmenlenker kaum etwas sehnlicher wünschen als ertragsorientierte Mitarbeiter, die mitdenken und Verantwortung übernehmen wollen.

Und ein weiterer Vorzug kommt hinzu: In schlechten Zeiten verschafft ein gewinnabhängigeres Lohnsystem dem Management mehr Spielraum in guten Zeiten partizipiert die Belegschaft überdurchschnittlich.

Soweit die unstrittige Theorie, die Politiker, Gewerkschafter und Arbeitgeber in ihren Sonntagsreden allzugern bemühen, montags an ihren Schreibtischen jedoch wieder verdrängen. An der Schwelle zum dritten Jahrtausend haben Tarifparteien und Gesetzgeber bislang wenig innovative Kraft bewiesen. Noch haben Betonköpfe die Oberhand.