Wird es doch noch etwas mit Europa? Wenn man hört, daß in Brüssel tage- und nächtelang darüber gestritten wird, bis zu welchem Krümmungsgrad ein grünes Kürbisgewächs als Gurke auf den europäischen Markt kommen darf, möchte man an der Kraft der Einigung des Kontinents (ver)zweifeln. Und dann gibt es plötzlich ein Zwei-Länder-Colloqium, wie es in solcher Offenheit und thematischen Üppigkeit noch vor ein paar Jahren schwer vorstellbar gewesen wäre. Französische Spezialisten der Literatur, der Verlags- und Archiv-Arbeit fallen im Schiller-Nationalmuseum in Marbach am Neckar ein - und anschließend macht sich die um deutsche Forscher und Autoren angewachsene Karawane auf nach Frankreich, um am 1. und 2. Dezember in der Abtei d'Ardenne in Caen und am 3. Dezember in Paris eine deutsch-französische Gesprächsreihe zu bekrönen, in der über "Archiv und literarische Produktion" nachgedacht wird. Da stellen sich Fragen, die brennender sind, als es ein vermeintlich trocken bibliothekarisches Thema erwarten läßt: Was soll bei wachsender Papierflut noch aufbewahrt werden? Welche Rolle spielen Archive nicht nur in der Literatur, sondern in der Politik (siehe Stasi!)? Was verrät das Archiv über seinen Schöpfer? Darauf suchen Antwort nicht nur die Fachleute vom Deutschen Literaturarchiv (Ulrich Ott, Friedrich Pfäfflin, Jochen Meyer) und von IMEC, dem von französischen Verlagen gegründeten "Institut Mémoires de L'Édition Contemporaine" (Olivier Corpet, Almuth Grésillon), sondern auch Autoren, Wissenschaftler, Juristen.