Nach dem Fall der Mauer stromerte der Frührentner Hans S. im Osten gern über verlassenes militärisches Übungsgelände. Nicht Beeren und Pilze packte der Wanderer in sein Körbchen - nein, Herr S. stand der Sinn nach scharfen Bomben und Granaten der ruhmreichen Roten Armee. Eher zufällig verhaftet die Polizei den Waffensammler im September 1996 auf der Reeperbahn wegen des Besitzes einer scharfgemachten Gaspistole und zweier Schießkugelschreiber.

Zu Hause präsentierte er den Beamten nicht ohne Stolz ein umfangreiches Waffenarsenal. Im Keller seiner Mietwohnung stapelten sich Panzerminen, Luft-Luft-Raketen, Sturmgewehre, und selbst ein tragbarer Raketenwerfer fehlte nicht. Ein großer Teil der Sammlung bestand aus harmlosen Deko-Stücken, wie Waffennarren sie in Büro und Hausbar einzusetzen pflegen.

Doch mehrere Kisten scharfer 30-Millimeter-Granaten, ein wenig Sprengstoff, etwa 3500 Schuß Munition und verschiedene Handfeuerwaffen führten zu einer Anklage wegen Verstoßes gegen das Waffen- und Sprengstoff- sowie das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Dem Altonaer Schöffengericht Rede und Antwort zu stehen fällt dem 61jährigen Maschinenschlosser nicht leicht. Der grauhaarige, übergewichtige Mann schwitzt und schnauft verlegen: "Was soll ich dazu sagen, das ganze Zeug ist mir über den Kopf gewachsen." Tatsächlich konnte die kleine Waffenkammer die Sammlung kaum noch beherbergen. Die Rechtslage sei ihm bekannt gewesen, gibt der Sammler zu, darum habe er es auch vermieden, seine Sammlung, wie es sich gehört, beim Ordnungsamt anzumelden: "Die hätten mir ja alles weggenommen."

Seit frühester Jugend habe er sich mit der faszinierenden Welt der Wehrtechnik befaßt, sagt Herr S. stets habe er alles zusammengerafft, was er bekommen konnte - obwohl er weiß: "Scharfe Munition sammelt man eigentlich nicht." Die Geschosse, wie auch seine Luft-Luft-Raketen, habe er "bei den Russen" gefunden. Leider habe er nur mitnehmen können, was in seine Reisetasche paßte, bedauert der Sammler. Die "dicken Dinger", Panzer- und Artilleriegranaten, habe er immer zurücklassen müssen.

Wie unter Zwang habe er damals immer wieder losziehen müssen, sagt der Angeklagte, aber "als ich das Zeug im Haus hatte, wurde ich doch unruhig".

Entsorgungsversuche blieben im Ansatz stecken: "Die 30-Millimeter-Munition wollte ich zuerst in die Elbe kippen. Aber der Fluß soll ja man auch sauber bleiben. Das paßt doch nicht." Also schaffte Hans S. seine Schätze in den Keller, ein Refugium, zu dem nicht mal Frau S. Zutritt hatte, und sicherte die Brettertür mit fünf Vorhängeschlössern.