Der Prozeß dauerte zwanzig Jahre, das Urteil war in fünf Minuten gesprochen und begründet. Amnesty international darf weiterhin behaupten, daß die Colonia Dignidad ein Folterlager war. Damit geht einer der längsten Zivilprozesse in der bundesdeutschen Rechtsgeschichte zu Ende - und einer der bizarrsten (die ZEIT berichtete in einem Dossier in der Nr. 42/97).

Zwanzig Jahre lang bemühte sich das Bonner Landgericht, zu klären, ob in einem Landgut deutscher Einwanderer in Chile Gegner des Diktators Augusto Pinochet gefoltert worden waren. Amnesty hatte das 1977 in einer Broschüre zu belegen versucht. Die Colonia Dignidad antwortete mit einer einstweiligen Verfügung.

Nun gibt es ein Urteil, aber geklärt ist nichts. Denn amnesty hat den Prozeß nur aus formalen Gründen gewonnen. Der chilenische Präsident hat dem deutschen Landgut per Dekret die Rechtsfähigkeit entzogen. Auch der Ableger in Siegburg, die Private Sociale Mission e. V., ist nicht mehr rechtsfähig, weil sie keine drei Mitglieder mehr hat. Juristisch also hat sich der Kläger aufgelöst und damit die Möglichkeit eingebüßt, anderen etwas zu untersagen.

Ein Sieg für amnesty? Ein schaler Sieg. Besser wäre gewesen, das Landgericht hätte entscheiden können, ob die Colonia Dignidad tatsächlich ein Folterlager war oder nicht. Sieben Zeugen haben ausgesagt, daß sie dort gefoltert wurden.

Aber ihre Erinnerung war an manchen Punkten unklar oder widersprüchlich. Man hatte sie gefoltert, aber war das wirklich in der Colonia Dignidad gewesen?

Wer sich intensiv mit diesem Fall befaßt hat, kann daran keinen Zweifel haben. Doch zwanzig Jahre haben nicht gereicht, die Wahrheit gerichtsfest ans Licht zu holen. Das ist eine Niederlage für die Gerechtigkeit.