Vergangenes Jahr hatte es Bill Gates endlich geschafft: In der Dezemberausgabe der renommierten US-Zeitschrift Corporate Giving Watch führte sein Unternehmen Microsoft erstmals die Liste der US-Firmen an, die während des Jahres am meisten für wohltätige Zwecke gespendet hatten. Mit satten 73,2 Millionen Dollar lag Microsoft vor Johnson & Johnson (72,8 Millionen) und auch vor dem Konkurrenten IBM, der in der vielbeachteten Statistik mit nur 72,1 Millionen Dollar stand.

Das war ein Schock für IBM. Gates freute sich jedoch zu früh, denn Big Blue ließ diese Schmach nicht auf sich sitzen. Microsoft, so wurde dem Chefredakteur der Publikation rasch mit Nachdruck klargemacht, spiele mit gezinkten Karten. Denn über 62 der 73 Millionen Dollar an Spenden von Microsoft sei nur eigene Software - und die wurde zu Listenpreisen angerechnet. IBM dagegen habe eigene Software zu Marktpreisen kalkuliert. Das überzeugte die Zeitschrift, die in ihrer Frühlingsnummer postwendend IBM zum neuen, wahren Gewinner der Liste kürte - mit nunmehr 92,7 Millionen Dollar an Spenden für 1996. Die Welt war wieder in Ordnung. Zumindest für IBM. Doch der große Krach steht noch bevor. Denn Spenden von Firmen, das muß man wissen, sind in den Vereinigten Staaten eine ernste Sache.

Um großherzige Wohltätigkeiten geht es dabei schon lange nicht mehr, wie das Scharmützel von IBM und Microsoft zeigt. Ruhm, Ehre und eine gute Portion an gesellschaftlicher Verpflichtung stehen im Vordergrund: Wer es in den USA zu etwas bringt, soll sich bei der Allgemeinheit dafür erkenntlich zeigen. Und Firmen wie Private tun gut daran, dies möglichst öffentlich zu dokumentieren.

So sah sich Microsoft - quasi als Inbegriff des amerikanischen Traums - vor einigen Jahren unter dem Hagel der Kritik gezwungen, eine eigene Direktorin für Spenden einzusetzen. Sie sollte dafür sorgen, daß Microsoft sich nicht nur um Wohltätigkeiten kümmert, sondern diese auch gekonnt in Szene gesetzt werden.

Die Frau leistete gute Arbeit. Als Bill Gates zum Beispiel im vergangenen Jahr einer Schule bei Seattle Software für 10 Millionen Dollar überreichte, schüttelte ihm kein geringerer als US-Präsident und Gates-Golfpartner Bill Clinton die Hand. Das Land, meinte Clinton, brauche mehr Leute wie ihn.

Allein 1996, so berechnete das Wirtschaftsmagazin Forbes, spendete Gates rund 135 Millionen Dollar - aus seinem persönlichen Vermögen von 39 Milliarden Dollar. Nur der Finanzier George Soros und der US-Supermarkt-Tycoon L. S.

Skaggs ließen mehr springen. So gesehen muß sich auch der Medienzar Ted Turner hinten anstellen: Seine vor kurzem angekündigte Spende von einer Milliarde Dollar für die Vereinten Nationen verteilt sich über zehn Jahre.