Man kann verstehen, daß es den bayerischen Finanzminister schmerzt, einen so profitablen, erinnerungsträchtigen Platz wie den Berghof Adolf Hitlers oberhalb von Berchtesgaden - des Adlers Nest - ungenutzt dahindämmern zu sehen.

Die Amerikaner haben diesen Platz, den sie zu einem Erholungszentrum mit Golfplatz, Skilift und Gästehaus entwickelt hatten, vor zwei Jahren an den bayerischen Staat zurückgegeben. Natürlich läßt sich das Ganze unschwer in ein luxuriöses Ferienparadies verwandeln, wenn noch gewisse Ergänzungen - Restaurants, Teehaus, Diskothek und andere Attraktionen - hinzukommen.

Riesige Profite winken.

Allerdings wurden auch warnende Stimmen laut: Man könne doch nicht den Platz, an dem der Führer seine finsteren Kriegs- und Ausrottungspläne ausgebrütet hat, zum Amüsierbetrieb umfunktionieren. Doch die Protagonisten, denen es um die touristische Nutzung geht, wußten Rat. Sie wandten sich an das Institut für Zeitgeschichte in München, und die Gelehrten sagten: "Nein, gerade das Gegenteil kann man erreichen, wenn dort ein großes Dokumentationszentrum errichtet wird, in dem die Geschichte Adolf Hitlers von Anbeginn mit einprägsamen Photos und Dokumenten dargestellt wird."

Mit Photos? Auch die, auf denen er Kinder tätschelt, mit seinem Lieblingshund spielt und mit Eva Braun tändelt? Ja, auch die. Durch den Kontrast zu den späteren fluchwürdigen Gewalttaten prägten sich die letzteren viel intensiver ein, und darauf komme es an. Die Besucher sollten doch etwas lernen. Die Dokumentation werde der historischen Aufklärung dienen.

Der Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums hat die geplante Dokumentationsstelle als "skandalös" verurteilt, weil sie das Unrecht des "Dritten Reichs" verharmlose. Das zuständige bayerische Finanzministerium wies diese Sicht als "unsachlich" und "unberechtigt" zurück.

Die Sachverständigen, die die Dokumentation propagieren und die allen Ernstes glauben, sie würde zu einer Entmythologisierung Hitlers und der Nazis beitragen, sind im Grunde genauso gefährlich wie jene vielleicht gutwilligen Mitglieder der örtlichen Bürgerinitiativen, die eine Gedenkstätte oder ein Mahnmal am Obersalzberg errichten wollten.