Michael Dell ist ein reicher Mann. Sein Vermögen hat er sich mit einer denkbar einfachen Idee erwirtschaftet: "build to order". Dell-Computer werden unter Umgehung des Händlerkanals direkt an die Kunden verkauft. Und sie werden erst dann gebaut, wenn die Bestellung vorliegt. Unverkäufliche Geräte, die auf die Halde wandern - das gibt es bei Dell nicht. Sein Geschäftsmodell ist derart erfolgreich, daß Dell nach Compaq und IBM zu der Handvoll von PCBauern gerechnet wird, die den nächsten Preiskrieg überleben werden.

Direkt gibt sich Dell auch im Gespräch: Vor einem Monat wurde er auf einer Konferenz gefragt, was er denn mit Apple machen würde. "Den Laden schließen und den Aktionären das Geld zurückzahlen", lautete die trockene Antwort. Apples Reaktion: Die Firma setzt jetzt auch auf die Methode, die Dell groß machte. Der Direktverkauf über den Apple Store im Internet soll den schlingernden Computerbauer retten. "Kicking Dell out to hell" skandierten die Mac-Fans, als Steve Jobs den neuen Kurs vorstellte. Unter dem Jubel seiner Gemeinde verkündete Jobs: "Wir holen dich ein, Freundchen!"

Vorerst wird Jobs jedoch selber eingeholt. Seit vorletztem Montag verkauft Apple seine Rechner direkt an die Kunden - und schon werden die Preise von den eigenen Händlern unterboten. Firmen wie ClubMac und Cyberian Outpost liegen bis zu 500 Dollar unter den Preisen des Apple Store, die angeblich nicht zu unterbieten sind. Dabei verkaufen sie keine graue Ware und keine veralteten Systeme. Der einzige Unterschied: Die Geräte können nicht persönlich konfiguriert werden, denn die Händler ordern bei Apple in Stückelungen von 10 000 Einheiten und mehr. Aber wenn 99 Prozent der Kunden sowieso dasselbe System wollten, sei "build to order" ausgemachter Unsinn, behauptet etwa Mike McNeil von ClubMac.

Während sich Apple in einem harten Preiskampf mit den eigenen Händlern weiter demontiert, macht es an anderer Stelle unverhoffte Pluspunkte. Bei der vom US-Magazin Time ausgeschriebenen Wahl zur einflußreichsten Person unseres Jahrhunderts liegt Steve Jobs knapp hinter Bill Gates und wird ihn wohl bald überholt haben. Die Erklärung: Die Wahl von Time findet im Internet statt. Jeder kann hier mitstimmen, und die Apple-Fans sind bei weitem rühriger als die Windows-Fraktion. Loyale Mac-Evangelisten haben eine Kampagne für Jobs gestartet. Die Nummer eins wird er jedoch kaum noch werden. Mit weitem Abstand führt Kemal Atatürk vor Winston Churchill und Bob Dylan. Denn auch zugunsten des Gründers der modernen Türkei läuft eine Internet-Kampagne, von der die Zeitschrift völlig überrascht wurde.

Neuen Aufschwung für Apple könnte eine Entwicklung der Stollberger Firma Omega bringen. Die präsentierte nämlich den Plan für ein alternatives Apple-Betriebssystem namens COS. Dieses System soll besser, billiger und ressourcenschonender als das Original sein, versprechen die Entwickler. Prompt zirkulierten unter den Mac-Fans in den USA die Bildschirmphotos dieses Sensationssystems. Allerdings waren den offenbar der deutschen Sprache nicht mächtigen Amerikanern die wunderlichen Details der COS-Shots entgangen: "Wir sind das Volk" hieß es etwa in der zentralen Menüleiste, "40 Jahre DDR" lautete der Name der Festplatte, und die Hilfetexte waren in breitestem Sächsisch verfaßt. Vergangene Woche sollte COS auf der Macworld in Düsseldorf Premiere haben. "Leider sind wir nicht fertig geworden", heißt es lapidar bei Omega im Internet. Wunder dauern eben immer etwas länger.

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