Fangen wir mit dem Schluß der Veranstaltung an: Im Gartensaal des sogenannten Weißen Hauses, eines der teuersten Anwesen in Hamburg-Eppendorf, starrten acht genervte Menschen auf nahezu achtzig genervte Menschen. Unter ihnen der Hausherr und Schaulandt-Erbe Thomas Wegener, dessen größtes Problem zur Zeit sein bevorstehender fünfzigster Geburtstag ist.

Im Vergleich zu ihm sahen die Veranstalter des Workshops "Codes" am Ende weit älter aus. Sieben Stunden zuvor waren sie alle noch guten Mutes und verbunden in dem gemeinsamen Interesse: Was ist ein Code? Und wozu ist er gut? Was können wir mit dem Code machen? Was macht der Code mit uns? Diese vier Fragen standen im Vordergrund der Hamburger Design-Woche, die jetzt zu Ende ging. Im Hintergrund die Wirtschaftsbehörde, subventionierend, organisierend und wie immer - diesmal vielleicht mit Hilfe von Codes als Kurbel - auf den wirtschaftlichen Aufschwung hoffend.

Auf dem Podium bekannte Zeitgeister aus den achtziger Jahren, inzwischen alle selbst in den Vierzigern: unter anderen Markus Peichl, Michael Hopp und Lo Breier, Gründungs- und Führungstrio der ehemaligen Szenezeitschriften Wiener und Tempo, die vielgehaßten und oft kopierten Totengräber des guten Geschmacks. Peichl, nach dem Konkurs seiner ersten Fernsehproduktionsfirma inzwischen im Besitz einer zweiten, moderierte die Diskussion, aber "nur aus Freundschaft zu Lo".

Im Publikum einige Medienleute mit Geld und Beziehungen sowie viele Studentinnen und Studenten ohne Geld und Beziehungen. Weit und breit kein potentieller Auftraggeber aus der Wirtschaft. "Da müssen wir unsere Einladungen falsch codiert haben", gestand Veranstalter Lo Breier. Sein persönlicher Code: "Vom erkennbaren Zitat zum nicht mehr wahrnehmbaren Tool". An potentiellen Designauftraggebern war denn auch das unmerkliche Zeichen in ebendieser Wirkung eindrucksvoll vorbeigegangen.

Breier, der 44jährige Art Director und Gründer der Kreativfirma Büro X, hatte in der Einladung eine "Expedition zu den Toren der Wahrnehmung" versprochen. Von den kleinen Frühlingsrollen, Hackbällchen und Schokoladenkeksen in der Pause sowie den rötlichgelben Herbstfarben im Garten an der Heilwigstraße einmal abgesehen, wurde dieses Versprechen durch nichts eingelöst.

Gegen halb fünf Uhr nachmittags waren acht Referate vorbeigezogen an einer geduldig ausharrenden und immer grauer werdenden Zuhörerschar: über den Code als Möglichkeit zur Vereinfachung, Beschleunigung und Steuerung individueller Entscheidungsprozesse; die seien abzuschaffen durch Codes. So dumpf hatte das wohl niemand erwartet. Michael Hopp, einst sogenannte Edelfeder aus Wien, heute beim Bauer-Verlag Chefredakteur von TV Movie, erklärte, wenn "der Leser, draußen am Markt", dem Code nicht Folge leiste, liege das nicht am Code. "Dann haben wir den Leser nicht genug penetriert." Befremdetes Schweigen im Gartensaal des Weißen Hauses.

Eine Studentin: Ob mal jemand sagen könne, ab wann ein Code ein Code sei? Die einfache Frage kam wie eine Befreiung nach der vom Podium herunterwehenden Bedeutungsschwere. Sie machte deutlich, daß die dynamischen Medienmacher den Begriff Code ganz anders verstanden und benutzten als die ihnen auf den Fersen folgende jüngere Generation im Publikum.