Ein überraschender Anruf, ganz harmlos zunächst. Es scheint, als wollte der Junge mit dem unbekannten Mädel nur plaudern und flirten. Doch dann, beim zweiten Telephonat: "Magst du Horrorfilme?" Schließlich, als sie das Gespräch beenden will: "Wenn du jetzt auflegst, schlitz' ich dich auf!" Zwei, drei Minuten später ist das Mädchen tot und der Täter mit Clown-Maske und schwarzer Kutte in der Nacht verschwunden.

Wes Craven spielt in "Scream" mit den Genremotiven, die er selbst und seine Kumpane Tobe Hooper, John Carpenter und George A. Romero seit den späten Siebzigern im Kino wieder und wieder variiert haben. Das verleiht seinem Film, trotz all der blutigen Massaker, einen Hauch schwarzen Humors. Fenster klemmen, Türen knarren, das Licht flackert, im Fernsehen läuft "Prom Night", und das nächste Mädchen, das der Killer auswählt, erklärt sofort, sie sei nicht so blöd wie die im Kino, die immer nach oben flüchteten statt ins Freie - aber dann rennt sie doch, um den Angriffen zu entgehen, als erstes die Treppe hoch.

Augenzwinkernd inszeniert Craven den Schock als Kinderspaß. Die Erwachsenen blicken nicht durch oder sind außer Gefecht gesetzt. Während die Kids mit Gerede und Getuschel oder Scherzen reagieren. Das Leben ist ein Kino, und die einzige Frage, die interessiert, lautet: Welcher Film wird gerade gegeben?

Mal verlangsamt Craven das Geschehen extrem, dann wieder verliert er sogar den Faden, nur um im rechten Moment den Schock noch stärker wirken zu lassen. Er zeigt, was seine Jugendlichen alles wissen aus den Horrorfilmen und wie sie dennoch auf die einfachsten Tricks hereinfallen. Wodurch er, sooft es nur geht, auch in uns jegliche Sicherheit untergräbt. Realität? Spiel? Alles nur unterhaltsamer Kinderkram.

Dagegen setzt Scott Reynolds in "The Ugly", einem surrealistischen Psychothriller aus Neuseeland, auf Irrungen und Wirrungen zwischen Vernunft und Wahn. Erzählt wird von der Begegnung zwischen einer Therapeutin und einem Serienkiller. "Warum haben Sie das getan?" - "Ich töte gerne!" - "Ist das alles?" - "Ist das nicht genug?"

Der Film hält sich weder an eine übliche Chronologie noch an einen klaren Modus. Alles, was passiert, geschieht dazwischen: zwischen den Zeiten, zwischen Wirklichem und Möglichem, zwischen Blau und Schwarz mit Akzenten von Rot. "Wie fühlten Sie sich, als Sie getötet hatten?" - "Ich fühlte mich frei." Während die Psychologin zugeneigt zu verstehen versucht, wird sie immer tiefer hineingezogen in einen irritierenden Kreis um sadistische Phantasien und untote Gestalten. Die Welt, die Reynolds zeichnet, ist ein kafkaeskes Irrenhaus, das, einmal betreten, keinen Ausgang mehr hat. Die Korridore wirken endlos, die blauen Wände bedrohlich, die Fenster bieten keine Sicht, das Blut fließt dick und schwarz. Die Wächter greifen allzuschnell zu ihren Knüppeln, der Leiter der Anstalt ist ein Intrigant und die einzige Insassin, die noch zu sehen ist, eine bösartige Hexe.

Gewalt ist für Reynolds nur ein Mittel, um die bedrohlichen Situationen noch intensiver zu machen, die er bis zum Äußersten dehnt und mit einer düsteren Stimmung umgibt, komponiert aus rätselhaften Schemen und obskuren Alpträumen. Bei Wes Craven gerät man ins Schleudern, bei Reynolds verliert man den Boden unter den Füßen.