Nichts hat das öffentliche Bild der Telekom besser aufpoliert als der Sieg des Werbeträgers Jan Ullrich bei der Tour de France. In den letzten Wochen jedoch hat das Siegerimage des Telekommunikationsriesen schweren Schaden genommen: Es häufen sich die Hard- und Softwareprobleme im Zusammenhang mit dem Internet - und das gerade in einer Phase wachsenden kommerziellen Erfolgs. Denn der Kundenstamm wächst rasant: 1,8 Millionen beträgt mittlerweile die Zahl der T-Onliner, allein im letzten Quartal kamen 175 000 dazu. Doch die Technik kann diesen Ansturm kaum bewältigen.

Vor allem an den Einwahlknoten der Ballungszentren hängt und klemmt es ständig. Hinter der lapidaren Bildschirmmeldung "Kein Netzzugang" verbirgt sich ein wachsender Stau auf der Datenautobahn. "Besonders nach 21 Uhr kommt es in den Ballungszentren zu Einwahlproblemen", gesteht Telekom-Sprecher Jörg Lammers ein, "dem wollen wir durch zusätzliche Rechnerports begegnen." Nach Bedarf würden die bereits angeschafften Computer installiert. Doch bis dahin gibt es jede Menge Probleme, die wohl auch die Justitiare der Telekom beschäftigen werden.

So drohte Anfang letzter Woche der Einwahlknoten Frankfurt völlig abzustürzen, so daß die Kunden intern über den Knoten Mannheim umgeleitet wurden. Daraus ergab sich eine Panne, die vor allem die Datenschützer hellhörig machte: In mindestens zwölf Fällen wurden T-Online-Nutzer bei der Einwahl zwar zunächst korrekt identifiziert, bekamen dann aber Zugang zum Account ganz anderer Kunden. So wurde einem Steuerberater aus dem Odenwald der E-Mail-Postkasten der Volksbank Mannheim angeboten. Auch wenn angeblich keine Bankdaten in falsche Hände gelangt sind, kommt auf die Telekom nun ein Verfahren wegen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses zu.

Schmerzlich sind auch die Softwareprobleme, die die Telekom-Tochter Online Pro Dienste ihren Kunden bescherte. Die neue Version 2.0 der T-Online-Software, die zur Jahresmitte herauskam, sollte endlich die langsame Ur-Software ablösen und es den Nutzern ermöglichen, elektronische Post, Banküberweisungen und Internet-Suchen in einem akzeptablen Tempo abzuwickeln. Aber noch während Jan Ullrich von Etappensieg zu Etappensieg radelte, liefen bei den über 250 Mitarbeitern der Telekom-Hotline die Telephone heiß. Die Abonnenten beschwerten sich über Rechnerabstürze, fehlgeschlagene Installationen und unerreichbare Einwahlknoten. Kaum eine Woche nach dem Versand der CD kam schon das erste Update heraus. Und es wunderte auch kaum einen Kunden, als Ende Oktober erneut eine aktualisierte Software angeboten wurde.

Die Bombe platzte unmittelbar nach der Installation: Reihenweise stürzten Rechner ins Nichts, Falschfarben flimmerten über die Monitore, oder es wurde - wie bislang nur ein Hotline-Sachbearbeiter inoffiziell eingestand - die gesamte Festplatte gelöscht. "Betroffen waren nur einige Nutzer von Windows 3.1 oder 3.11 bei bestimmten Gerätekonstellationen", beschwichtigt Telekom-Sprecher Lammers. Wie viele Abstürze es jedoch tatsächlich gegeben hat und, vor allem, wie diese Gerätekonstellationen aussehen, konnte oder wollte man bei der Telekom nicht sagen. Das fehlerhafte Programm sei inzwischen herausgenommen und durch ein neues ersetzt worden.

Und wer trägt den Schaden durch Datenverlust und vergeudete Zeit? "Die Telekom haftet im Rahmen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen, wenn ein Verschulden der Telekom vorliegt und der Schaden vorhersehbar war", so die verklausulierte Verlautbarung. Angesichts der schwierigen Beweislage würden die Fälle individuell geprüft und nach Möglichkeit kulant behandelt. Allerdings müsse der Kunde nachweisen, daß er seine Daten regelmäßig sichert.

Währenddessen bessert das von bösen Zungen nur noch "T-Offline" genannte Unternehmen weiter nach und hält auf seiner Internet-Homepage ein zwei Megabyte dickes Softwarepaket zum Herunterladen bereit. "Jede Software hat noch kleine Fehlerchen und läßt sich verbessern", gibt sich Lammers selbstbewußt. Man könne schließlich nicht alle Hardwarekonstellationen auf dem Markt vorher austesten. So werden die T-Online-Kunden wohl auch in Zukunft als Versuchskaninchen herhalten müssen. Es wird Zeit, daß die Telekom endlich ihr Etappenziel erreicht - von Sieg ist schon lange nicht mehr die Rede.