Kann man's glauben? Daß die Manager der Expo 2000 in Hannover so dilettantisch, so dreist zu Werke gehen? Daß sie mit Leuten, die sich in Wettbewerben für sie verausgaben, so verächtlich umspringen? Muß man nicht vermuten, es gehe intern noch viel zufälliger, unbedachter zu? Hier handelt es sich um den deutschen Pavillon, den sich die Bundesrepublik auf dieser Weltausstellung errichten will. Das begann schon mit dem Einfall, seine Architektur in einem internationalen Wettbewerb zu suchen. Das scheinbar liberale Ansinnen war aber bloß kindisch. Plötzlich lautes Aufatmen! Denn, kaum zu glauben, ein Deutscher obsiegte, der junge Stuttgarter Architekt Florian Nagler. Jedoch, die Augen leuchteten nicht lang, denn nun wurde, wie gerade in der Bauwelt zu lesen, klar, daß man ihn wie alle seine Konkurrenten an der Nase herumgeführt hatte. Das bis dahin unbestimmte Programm für den Pavillon nämlich hatte auf einmal sehr bestimmte Züge angenommen, nachdem die Expo-Gesellschaft einen Film in Auftrag gegeben hatte, für den zwei Rundkinos mit je vierzig Metern Durchmesser notwendig wurden, dann war's bloß noch eines. Nur hatte man das die Wettbewerbsteilnehmer nicht mehr wissen lassen.

Die Preisrichter erfuhren es während ihrer Sitzung, ignorierten den Tatbestand aber zu Recht, weil er nicht zur Wettbewerbsaufgabe gehört hatte und kein Entwurf damit belastet werden durfte. Und so jurierten sie ganz korrekt etwas, das den neuen Ansprüchen wissentlich nicht mehr genügte. Also geschah, was Architekten von unentschiedenen oder rabiaten Bauherren seit je zugemutet wird: das, worüber sie sich wochen-, monatelang die Köpfe zerbrochen haben, über den Haufen zu werfen, und sei es ein Entwurf, der nicht nur die Palme der Juroren, sondern den Beifall der Kenner erhalten hatte. Die Bauherrschaft in Gestalt der Generalkommissarin Birgit Breuel setzte noch eins drauf: Wenn der Stuttgarter Preisträger sich sträuben sollte, seine Architektur umzuändern, werde man eben mit jemand anderem bauen. Vielleicht regen derlei Vorfälle ja dazu an, Bauherren künftig regreßpflichtig zu machen - für die Verachtung, mit der sie über künstlerische Kreativität herfallen.