Ein Film: "Palermo oder Wolfsburg" von Werner Schroeter. Ein Jazzkonzert: das Uli Lenz Trio aus Berlin. Dazwischen ein historischer Vortrag: Sansibar und die Deutschen, 1844-1965. Dann ein Theaterabend: Die Bagamoyo Players dramatisieren die Landfrage. Eine Ausstellung: zwölf Holzmasken von der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Ein Kindermusical auf Kisuaheli: "Mtoto Boga - Das Kürbiskind". Noch eine Ausstellung: "Cartoons on Corruption" von Sammi Mwamkinga, dem bissigsten Karikaturisten Tansanias.

Stichproben aus dem Veranstaltungskalender 1997 des Goethe-Instituts zu Daressalam. Vier Monate noch, dann ist alles vorbei. Und als finales Motto darf ein Filmtitel aus dem Dezemberprogramm gelten: "Der Totmacher". Kein Zweifel, wem im mausearmen Tansania diese Rolle zugewiesen wird: dem Finanzminister im steinreichen Deutschland. Sein Sparzwang besiegelt eine Geschichte, die 1962 begann, als die Enkel der deutschen Kolonialherren eine Goethe-Zweigstelle in Tansania gründeten, nicht weit vom Soldatenfriedhof, wo seit hundert Jahren ihre heldenmütigen Großväter ruhen. An Abbitte konnte man seinerzeit nicht denken, schließlich war man damit ausgelastet, die allerjüngste Geschichte zu vergessen.

In 35 Jahren wurde aus dem Projekt aber doch so etwas wie Wiedergutmachung.

So sehen es jedenfalls viele Tansanier. "Deutschland hat durch den Kulturaustausch seinen kolonialen Ruf abgeschüttelt", bilanziert der Maler Robino Ntila. Im guten wie im schlechten, kein anderes Land hat Tansania stärker geprägt. "Das Deutsche Reich hat sich einfach ein Stück aus Ostafrika herausgeschnitten", erklärt Manfred Ewel, der letzte Leiter des Instituts.

"Deutsche haben die Grenzen gezogen, die Eisenbahn gebaut, das staatliche Schulwesen begründet und die lateinische Schrift für die Amtssprache Kisuaheli eingeführt."

Genug der unedlen und edlen Taten. Jetzt wird zum Rückzug geblasen. "Wir sind schockiert. Die Schließung des Goethe-Instituts beendet das schönste Kapitel der deutsch-tansanischen Völkerverständigung", klagt Charles Saanane. Der Paläanthropologe hofft, daß wenigstens das gemeinsam geplante Projekt, ein Kinderbuch über Dinosaurier, noch verwirklicht werden kann. Aber das wäre nur ein schwacher Trost für den Verlust. Denn das Goethe-Institut war nicht nur ein Dienstleistungsbetrieb, in dem man Deutsch lernen, Videos gucken oder kostenlos die ZEIT lesen konnte. "Es hat sich in Daressalam, in Tansania überhaupt, zum Kulturzentrum Nummer eins entwickelt", sagt Ntila. "Unser Kulturleben wäre ohne das Institut ziemlich arm."

Wer das Gespräch mit den Künstlern, Literaten und Intellektuellen des Landes sucht, muß sich nur in den hellen Empfangsraum setzen und warten. Sie schneien beinahe täglich herein, erzählen den neuesten talk of town, präsentieren verrückte Ideen, tauschen sich aus. Und jeder preist das Institut als kulturellen Knotenpunkt. Es liegt am beliebtesten Platz Daressalams, im geographischen Zentrum der größten Stadt. Es ist im Gastland integriert, nicht isoliert wie so viele Schwester-Institute. Die vergleichsweise müde Außenstelle in Johannesburg zum Beispiel, niedergelassen im sterilen weißen Shopping-Viertel Rosebank, wirkt fremd wie ein Raumschiff, das zufällig im neuen Südafrika gelandet ist.