KIEL. - Wenig hat in diesen unsicheren Zeiten zuverlässig Bestand. Doch Weihnachten soll offenbar wieder stattfinden, und der November brachte uns einen seiner liebsten Vorboten: das traditionelle vorweihnachtliche Schreiben aus dem Landesbesoldungsamt Schleswig-Holstein. Wie kaum ein anderer versteht es dessen Chef Helmut Holzlöhner, Einblicke in die geschundene Psyche des öffentlichen Dienstes zu eröffnen und gleichzeitig die Moral der Lohnsteuerkarteninhaber aufzurütteln.

Für 1997 hatte er den ihm Anbefohlenen eine rauhe Fahrt in stürmischer See vorausgesagt, allein: "Es kam noch schlimmer", schreibt er, "weitere Verböserungsabsichten sind angekündigt. Das ganze wurde begleitet von wohlklingenden Zauberformeln: lean management, schlanker Staat, benchmarking, outsourcing etc., etc., etc. Zugleich schwärmten Scharen von Organisationsgurus bundesweit aus ..." Denen es, das müssen wir mit Bedauern vermerken, offensichtlich nicht gelungen ist, Helmut Holzlöhner Vertrauen in die Selbstmodernisierungskräfte der Verwaltung einzuflößen.

Der freie Unternehmer könne einzelne Produkte, die keinen Gewinn abwürfen, aus der Fertigung nehmen, klagt er, doch diese Wege seien der Verwaltung verschlossen: "Aufgrund der Bindung an die Gesetze ist es der Verwaltung versagt, arbeitsaufwendige Gesetze wegen Unwirtschaftlichkeit nicht anzuwenden." Und so arbeite sie weiter mit dem frühgeschichtlichen Grabstock, während die Konkurrenz mit automatisierten Erntemaschinen die Produktion steigere. "Aber, aber", möchten wir einwenden, doch Helmut Holzlöhner kommt uns zuvor: "Sie werden möglicherweise einwenden, daß bereits die Römer gefordert haben, daß die Gesetze einfach und von wenigen handhabbar sein müßten - nichtsdestotrotz sei der Gesetzesdschungel immer undurchdringlicher geworden." Und während wir noch innehalten und überlegen, ob es eigentlich das war, was wir einwenden wollten, zeigt der Landesbesoldungsamtschef, daß er sich trotz seiner düsteren Analyse dem Leitbild der schleswig-holsteinischen Verwaltung verpflichtet fühlt: "Ich möchte Sie an dieser Stelle bitten, sich in positivem Denken zu üben."

Das wollen wir tun. Und darüber hinaus möchten wir an dieser Stelle alle Landesbediensteten, die ihr eigenes vorweihnachtliches Schreiben voreilig weggeworfen haben, auffordern, für ihre fristgebundenen Beihilfeanträge künftig - im eigenen Interesse - zur Briefmarke zu greifen, statt sie aus falscher Sparsamkeit der langsameren Dienstpost anzuvertrauen. Und nötigen Sie doch bitte die Mitarbeiter des Landesbesoldungsamtes nicht ständig um Rückrufe an Ihrem möglicherweise entlegenen Privatwohnsitz: "Dieser menschlich verständliche Versuch der Kostenverlagerung wird wegen der knapp bemessenen Haushaltsansätze beim Landesbesoldungsamt künftig keinen Erfolg mehr haben."

An Orientierung jedenfalls wird es dem öffentlichen Dienst, das ist deutlich zu erkennen, auch in den stürmischen Wassern des Jahres 1998 nicht mangeln.