Fast gilt es schon als ehernes Gesetz: Bei den Ausgaben für Kultur, Jugend, Wissenschaft oder Ökologie sind die Grenzen staatlicher Förderung erreicht. Unter das Diktat des Sparzwanges fallen längst auch Bereiche, deren gesellschaftliche Bedeutung unbestritten ist. Doch der Notstand der öffentlichen Kassen steht im Widerspruch zur privaten Wohlstandsentwicklung.

Die Erbengeneration weiß, wovon die Rede ist: Pro Jahr werden in der Bundesrepublik 300 Milliarden Mark vererbt, Tendenz steigend. Allein bis zum Jahr 2002 werden Vermögen in Höhe von 2 Billionen Mark von der Gründergeneration der Bundesrepublik in die Hände ihrer Nachfolger fließen.

Eine gewaltige Summe.

Wird auch das Gemeinwesen davon profitieren? Politiker aller Parteien wollen den Staat künftig stärker am Erbschaftsstrom beteiligen. Die Koalition hat sich zu einer moderaten Erhöhung der Erbschaftsteuern durchgerungen, bei SPD und Grünen sind höhere Steuersätze vorgesehen. Einen anderen als den etatistischen Weg hat jetzt Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer angeregt.

Mit einem Gesetzentwurf will sie die Gründung von Stiftungen erleichtern, den steuerlichen Anreiz für gemeinnützige Initiativen verbessern und die Bereitschaft zu privatem Engagement für öffentliche Zwecke erhöhen. Geht es nach der grünen Politikerin, soll Privatinitiative künftig eine ergänzende und konkurrierende Rolle gegenüber staatlichen Aktivitäten spielen.

Verglichen mit anderen, besonders angelsächsischen Ländern nimmt sich die Stiftungskultur in der Bundesrepublik eher bescheiden aus. In den USA belaufen sich allein die Erträge privater Stiftungen auf vierzig Milliarden Mark pro Jahr, hierzulande liegt das Gesamtvermögen aller Stiftungen in dieser Größenordnung. Gab es um die Jahrhundertwende noch um die 100 000 Stiftungen in Deutschland, so sind es heute gerade noch 8000 bis 10 000 - genaue Zahlen fehlen, ein bundesweites Stiftungsregister existiert nicht.

Die deutschen Stiftungen haben insbesondere unter den antibürgerlichen Ressentiments des Nationalsozialismus gelitten. Sie wurden unter staatliche Verwaltung gestellt jüdische Institutionen wurden ausgeplündert. Gerade die emanzipierten deutschen Juden aber hatten zu Beginn des Jahrhunderts ihrem Selbstbewußtsein in Stiftungen Ausdruck verliehen.