Canberra

Auf den ersten Blick wirkt das kleine Land im großen Kontinent für den deutschen Besucher fast vertraut, auch wenn jetzt, da bei uns der Winter ansteht, dort der Sommer einzieht: Die hohe Arbeitslosigkeit (8,5 Prozent) will trotz günstigen Wachstums nicht schrumpfen Reformvorschläge stauen sich im Parlament es herrscht Globalisierungsangst und Führungsvakuum.

Australien, lange als "das glückliche Land" gepriesen, läßt den Kopf hängen.

Der Kontrast zu den frühen neunziger Jahren könnte krasser kaum sein: Damals traf der Besucher auf ein zuversichtliches Land, das sich von den überkommenen Bindungen an Europa löste, zielstrebig Aufnahme in das asiatische Staatenkonzert suchte und bei den Nachbarn auch fand heute bietet sich dem Blick ein auf sich selbst bezogenes und beschränktes Klein-Australien, das sein asiatisches Umfeld mit Argwohn betrachtet. Damals schien das Land bereit zum Wagnis der kulturellen Vielfalt, zur Versöhnung mit der Geschichte des eigenen Kontinents und seinen Ureinwohnern, den Aborigines heute wehrt es Veränderungen ängstlich ab.

Zweihundert Jahre nach der Einnahme durch die Briten (1788) und ein knappes Jahrhundert nach der Staatsgründung (1901) erscheint Australien mit seinen achtzehn Millionen Menschen wie ein Kind in einem viel zu großen Mantel, allein auf einer riesigen asiatischen Insel, die nur aus kolonialem Zufall und wegen ihres schieren Umfangs zum separaten Kontinent ernannt wurde.

Einer der bekanntesten Australier, der Weltbankpräsident James Wolfensohn, hat Ende September seinen Landsleuten bei einer Rede in Sydney die Leviten gelesen. "Was mir Sorgen macht: Ist Australien wirklich überzeugt, daß seine Zukunft mit Asien verknüpft ist? Dieses Land ist mit allen Reichtümern und Gaben gesegnet - nur nicht mit dem Willen, sie zu nutzen."

An Reichtümern und Gaben fehlt es in der Tat nicht. Zählt man die Bodenschätze unter der Erde und im Kontinentalsockel vor den Küsten zusammen, so ist Australien nach Berechnung der Weltbank das reichste Land der Welt.