In "Seestücke", jenem Epos über das Meer, das Literatur- und Reiseliebhaber begeisterte, beschrieb James Hamilton-Paterson eine namenlose Insel vor der philippinischen Küste, die von einem Trupp japanischer Investoren einbetoniert, mit dem Festland verbunden und zu einem Teil des "Phantasy Elephant Club" wurde, den nur noch Japaner betreten durften.

Jetzt hat der Klett-Cotta-Verlag die 1987 bereits auf englisch erschienene Vorgeschichte nachgeliefert: "Wasserspiele". Viele Jahre hat Hamilton-Paterson auf der Insel, die er "Tiwarik" nannte, verbracht, ein moderner Robinson und zeitgenössischer Henry D. Thoreau, der niemanden bekehren, sondern nur seine Geschichte mit dieser Insel erzählen will.

Hamilton-Paterson war längst ein weitgereister Jornalist und Schriftsteller, als er eine Zeichnung entdeckte, die er als Kind verfertigt hatte. Dieses Kinderbild gab "Tiwarik" so genau wieder, daß Hamilton-Paterson "einen Augenblick tiefsten Wiedererkennens" erlebte, als er die Insel zum ersten Mal sah. "Wenn man mich gebeten hätte, ein Bild meines eigenen Bewußtseins zu malen, hätte ich mir vielleicht vorgestellt, daß es ungefähr so aussehen würde - ein beschädigtes pochiertes Ei mit Hochland und Tiefebenen und unermeßlichen blauen Fernen."

Dieses in seinem Innern wie ein Archetyp verankerte Eiland wurde zu dem Ort, an dem er am meisten er selbst sein konnte: indem er dort fischte und schrieb. Das Fischen mit der Harpune lernte er in einem Alter, in dem die meisten Filipinos damit aufhören. Er brachte es zu einer gewissen Meisterschaft, doch wichtiger war die ästhetische Befriedigung. Die Unterwasserjagd für den Lebensunterhalt stillte seine Sehnsucht nach dem Elementaren. Auf "Tiwarik" bildete und verfeinerte er sein intellektuelles und körperliches Sensorium, das ihn befähigt, das Erleben in der Mutterleib-Welt des Meeres zu schildern, wie es vor ihm keiner vermochte.

"Wasserspiele" ist wie "Seestücke" ein faszinierendes, keiner literarischen Gattung strikt zuzuordnendes Buch. Es ist der Bericht einer Selbstfindung durch die Erforschung, Erschließung und Beschreibung der philippinischen Küstenwelt es ist ein ethnographisches Buch über ihre Bewohner, und es ist die Robinsonade eines Mannes, der alle Klischeefallen kennt, die einem schreibenden Mann auf einer Insel drohen. Den glücklichsten Moment, den er auf "Tiwarik" erlebt, nennt er existenzphilosophisch den ersten seines Lebens, in dem er "sorgenfrei" ist. Da hockt er klatschnaß unter einem Wolkenbruch und scheidet einen Bandwurm aus. "So elementar könnte Leben sein.

Ist es."

Die anerzogene englische Mittelstandsskepsis überrumpelt Hamilton-Paterson durch ein Staunen, das er auf "Tiwarik" erworben und trainiert hat durch Beobachtung. Er weiß alles über das Fischen mit Dynamit, das er als Ästhet nicht praktiziert, aber als Technik des Lebenserhalts akzeptiert. Das einzige Projekt, das er zur Veränderung der Verhältnisse anstößt, der Bau einer Wasserleitung, gerät zur Karikatur jeder Entwicklungshilfe. Seitdem will er die Welt nicht mehr, wie noch seine Missionarsvorfahren, verbessern.