Mitunter werde ich gefragt, wie ich dazu gekommen sei, in meinem Alter, als jemand, der zwanzig Jahre nach Ende des Nationalsozialismus geboren wurde, einen Roman wie "Flughunde" zu schreiben. Was bringt einen, der das nicht selber erlebt hat, heute dazu, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, dem Nationalsozialismus, mit diesem Hilfswort, das aber doch keine Abkürzung verträgt? Diese Frage habe ich mir selber gestellt in den vier Jahren, während ich den Roman schrieb, und noch lange nach Abschluß der Arbeit habe ich auf eine Antwort gewartet, habe Antwort auf Antwort versucht und wieder fallengelassen.

Erst langsam ist mir klar geworden, daß es nicht eine Antwort geben wird auf die Frage des Themas, des Alters, des Anlasses. Weil dieser Roman nicht einen Anlaß hat, der sich ergab, nicht ein Thema, das sich suchen oder finden ließe wie andere auch. Weil hier nichts Zurückliegendes besprochen wird als eine abgeschlossene Zeitspanne. Weil dieser Text mit mir zu tun haben muß wie meine anderen Texte auch.

Es gibt eine Haltung des Hörens, die notwendig mit dem Sprechen einhergeht.

Die selbst auch Sprechen bedeutet.

"Schweigen ist unmöglich."

"Die guten Leute sollen das Maul halten."

Zu Anfang höre ich allein das Meer. Ich höre das Nahen der Wellen, die Brandung, das Aufklatschen von Wasser auf nassem Sand, das Auslaufen in ein Plätschern, dann das Zurückspülen von Gischt und Angeschwemmtem.