Offiziere mit Zivilcourage sind offenbar in der Bundeswehr wenig gefragt. Wie anders soll man sich erklären, daß ein 57jähriger Oberst im Generalstab noch mit einer "erzieherischen Maßnahme" gerügt wird? Herwig Pickert, Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr, hatte sich in einem Leserbrief an den Rheinischen Merkur für die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" und für die Deserteure des Zweiten Weltkriegs eingesetzt und mit Dienstgrad und Dienststelle unterschrieben. Das trug ihm einen Schwall wutschnaubender Proteste von "alten Kameraden" ein sowie mehrere Strafanzeigen wegen Volksverhetzung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener. Daraufhin wurde Pickert quasi befohlen, bei privaten Meinungsäußerungen nicht mehr seinen Offiziersrang und seine Dienststelle zu erwähnen. Jetzt wartet er auf eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts. Die Wehrbeauftragte hüllt sich in Schweigen. Dabei hatte sie noch vor einem Jahr ausgerechnet in der Führungsakademie zur Zivilcourage aufgefordert.