Der Kunde fragt den Maler, was billiger sei: Portraits oder Landschaften?

Der Maler antwortet: "Landschaften." Darauf der Kunde: "Können Sie eine Landschaft von mir malen?"

Alan Berliner hat eine filmische Landschaft von seinem Vater Oscar gemalt, in der kein Stein auf dem anderen bleibt. Der Regisseur unternimmt eine gefährliche Expedition. Kein liebliches Gefilde erschließt sich den Augen, sondern jenes unwegsame Gelände namens Familie. Das Klima ist rauh für den Ahnenforscher, die Gegend zerklüftet, der Stammbaum ein widriges, knorriges Geäst.

Alan, der Sohn, will alles wissen: von den Anfängen der Familiengeschichte im polnischen Schtetl über die Emigration nach Amerika bis zum Alltag des alleinstehenden Vaters. Er erkundigt sich nach der lieben Verwandtschaft, nach Oscars Armeezeit und nach der elterlichen Scheidung, die ihn als Junge so unglücklich machte. Er recherchiert im genealogischen Archiv von Salt Lake City, diesem atombombensicheren Mausoleum für alle Familiengeschichten der Welt. Unermüdlich zerrt er Landkarten, Dokumente, Photos und Super-8-Filme ans Licht. Das Ergebnis ist eine fürsorgliche Belagerung. Denn Alan, der Sohn, will unbedingt erfahren, von wem er eigentlich abstammt.

Aber Oscar, der Vater, wehrt sich. Er schert sich nicht um seine Vorfahren und schon gar nicht um den Holocaust. Er weiß nicht, wann seine Mutter Geburtstag hat. Er mag die alten Bilder nicht sehen. Er droht mit Abbruch des Interviews. Er verweigert die Erinnerung. Er will bloß seine Ruhe. Das ist schmerzhaft mitanzusehen, bewegend - und komisch.

Denn "Nobody's Business" wächst sich nicht zum Familiendrama aus, zum erbitterten Duell oder zum Vatermord. Im Schlagabtausch der Berliners, den der Filmemacher mit dem sturen Ticken der Stoppuhr, mit Gongschlägen und Aufnahmen von Boxkämpfen rhythmisiert, kommt es nicht zum Knockout. Der Sohn treibt den widerspenstigen Vater immer wieder neu in den Ring, weil er ihn liebt. Er will ihn nicht bezwingen, er will ihn verstehen: den Zynismus, die Verletzlichkeit, die Einsamkeit. Deshalb gibt er nicht nach.Und deshalb gelingt ihm mit "Nobody's Business" eine Familienkomödie, die die Würde des Gegners nicht an die Pointe verrät. Zwei Dickköpfe liegen im Streit, und hinter dem, was dabei in die Brüche geht, blitzt die Wahrheit auf, die komplizierte Wahrheit einer jüdischen Identität, einer Vater-Sohn-Beziehung, einer ganz gewöhnlichen gescheiterten Familie. Einmal singen die geschiedenen Eltern jeder für sich vor der Kamera das gleiche Lied. Und Alan Berliner legt die getrennt aufgenommenen Stimmen mit Hilfe der Tonspur übereinander.

Ansonsten herrscht Krieg, aber der Krieg ist ein Spiel wider besseres Wissen.