DIE ZEIT: Herr Henkel, seit Jahren bleuen Sie den Deutschen ein: Schaut nach Asien! Dort liegt der Markt der Zukunft! Jetzt sehen wir, wie die Währungen in Südostasien zusammenbrechen und die Volkswirtschaften von Korea und Japan ins Trudeln geraten. Wie konnten Sie sich so verschätzen?

HANS-OLAF HENKEL: Was heißt verschätzen? Ich habe es in diesem Ausmaß nicht erwartet. Wir wußten, daß die asiatischen Märkte schwierig und risikoreich sind. Aber das Risiko, in Asien dabeizusein, ist deutlich geringer als das Risiko, dort gar nicht präsent zu sein.

ZEIT: Gab es denn gar keine Anzeichen dafür, daß der asiatische Traum irgendwann platzt?

HENKEL: Ich habe es für unwahrscheinlich gehalten, daß das, was wir gerade erleben, zum Beispiel in Malaysia geschehen konnte. Der dortige Finanzminister hat mich durchaus beeindruckt, als er mir Anfang des Jahres vorrechnete, daß Malaysia die Konvergenzkriterien für den Euro in der Tasche hätte. Das hat gestimmt und stimmt übrigens immer noch, mit Ausnahme des einen Kriteriums für die Wechselkursparitäten. Der Finanzminister hat auch gesagt, er habe mittlerweile so viele Gastarbeiter in Malaysia, daß er keine arbeitsintensiven Auslandsinvestitionen mehr in seinem Land sehen will. Das muß man sich mal vorstellen: Ganz Deutschland schleckt sich die Finger nach solchen Investitionen, und die sagen: Wir wollen sie nicht mehr.

ZEIT: Jetzt sind Sie aber nicht mehr so beeindruckt?

HENKEL: Was wir unterschätzt haben, ist, daß diese Länder ihre Währungen zu eng an den Dollar gebunden haben. Das Marktgeschehen konnte an dieser Parität nichts ändern. Insofern finde ich mich auch wieder bestätigt: Eine Volkswirtschaft, die nicht an den marktwirtschaftlichen Gesetzen festhält, wird dafür büßen.

ZEIT: Sinkt jetzt Asiens Stern?