Paare trudeln ein, in Abendroben, im Sportdreß, in Knitterleinen. Väter und Mütter verteilen sich, die Kinder, die Buggys und die Rucksäcke großzügig um die langen Tische unterm Kastaniendach vor dem "Glacisbeisl".

Busineßmänner lockern die Krawatten und schälen sich aus den Jacketts. Bussi da und "Servus" dort. Das sommerliche Ritual des kulinarischen Wiener Feierabends beginnt.

Der Gastgarten des "Glacisbeisl" liegt versteckt auf einem ehemaligen Festungswall. Man erreicht dieses Refugium am Rand des 7. Wiener Bezirks nur zu Fuß, indem man ein 45 000 Quadratmeter großes Areal durchquert. Den Eingang bildet ein Tor in dem palastartigen Gebäude, das Johann Bernhard Fischer von Erlach im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts als repräsentative Front für die kaiserlichen Hofstallungen gebaut hat.

Die lange Fassade am Museumsplatz verdeckt ein merkwürdiges Labyrinth, in dem die Architektur dreier Jahrhunderte kunterbunt durcheinandergewürfelt ist.

Die Winterreithalle Kaiser Franz Josephs I. und deren Nebengebäude sind Nachbarn der Hallen der Wiener Messe, die nach dem Zweiten Weltkrieg die voluminöse exkaiserliche Immobilie als Standquartier bezogen hatte. In den fünfziger Jahren waren dann noch ein paar Gebäude dazugekommen.

Die einstigen Stallungen haben bis vor nicht allzu langer Zeit den Namen Messepalast getragen. Heute heißen sie Museumsquartier und sind der fiktive Unterstand für eine heilige Kuh, für ein real noch nicht existierendes Musenzentrum, das als Österreichs wichtigstes kulturpolitisches Projekt gehandelt wird. Es soll die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Kunst des 20. Jahrhunderts nebst allen möglichen Querverbindungen zu neuen oder anderen Medien zeigen.

Die Idee, den 1994 ausgedienten Messepalast in eine Art Schaltzentrale der modernen Kunst umzuwandeln, ist jetzt bald zwanzig Jahre alt. Die Geburtswehen dauerten bis vor kurzem an. Legislaturperiode für Legislaturperiode haben die zuständigen Staats- und Kommunalpolitiker - jeweils zwei Minister, der Wiener Bürgermeister und zwei Stadträte - um die Kompetenz für das Museumsquartier gerangelt. Konzepte wurden umrissen, Fachleute verschlissen. Eine Bürgerinitiative und ein Boulevardblatt sind mit vereinten Kräften gegen das prämierte Architekturmodell der Brüder Laurids und Manfred Ortner Sturm gelaufen, gegen ein "Museumsmonster" mit einem Traditionalisten schockierenden, skylinesprengenden Leseturm. Der ist freilich bereits auf dem Reißbrett eingestürzt.