EISLEBEN. - Helfta, eine Ansammlung mehr oder weniger verfallener Gemäuer, gehört zum Besitz des Bistums Magdeburg. Das einstige Kloster war im 13. Jahrhundert ein Hort der deutschen Mystik. Hier lebten die heiligen Frauen Gertrud von Hackeborn, Gertrud die Große von Helfta und Mechthild von Magdeburg, deren kühne Visionen auch heute die "Freunde des Klosters Helfta" befeuern.

Seit 1992 setzt sich der Verein dafür ein, daß die historische Stätte wiederbelebt wird Assumpta Schenkl, Äbtissin von Deutschlands größter Zisterzienserinnenabtei, des Klosters Seligenthal, hat man als geistliche Beraterin gewonnen. Ein neues Kloster stellen sich die Förderer da vor, wo das alte stand: Das Gelände diente zu DDR-Zeiten als Landgut, die Gebäude verfielen, es drohte der Abriß. Jetzt ist das Areal aufgeräumt, einige jüngere Anbauten wie ein ehemaliger Schafstall und ein Speicher dienen bereits als Ausstellungs- und Tagungsräume. Der Bauplan sieht zuerst die Renovierung der Abteikirche vor. In die ehemalige Mühle will die Äbtissin mit einer kleinen Gruppe Ordensschwestern einziehen, und das Propsteigebäude ist für ein Begegnungszentrum vorgesehen: Pilgerfahrten, Seminare, Eheberatung, Obdachlosenarbeit, Glaubenskurse - es gibt nichts, was sich die Visionäre von Helfta nicht unter ihrem künftigen Dach vorstellen können.

Getreu der Tradition des Klosters will man dabei die Frauen auf vielfache Weise in den Mittelpunkt stellen: Nicht nur soll die theologische und literaturwissenschaftliche Forschung die Mystik der Frauen von Helfta weiter ergründen, das Kloster soll auch als Think Tank über die Rolle von Frauen in Kirche und Gesellschaft dienen. Auch eine Art Frauenhaus könnte entstehen, meint Äbtissin Schenkl.

Auf die Frage, ob sich die katholische Kirche da nicht möglicherweise ein feministisches Kuckucksei ins eigene Nest legt, antwortet sie ungerührt: "In unserem Orden gibt es seit langem eine äußerst fruchtbare Diskussion zu diesen Themen. Innerhalb der Zisterziensergemeinschaft herrscht zwischen dem männlichen und weiblichen Zweig völlige Gleichberechtigung."

Der evangelische Superintendent des Kirchenkreises Mansfelder Land, Hartmut Scheurich, hat keine Angst vor dem Projekt der Glaubensgeschwister. "Auch diejenigen Stimmen innerhalb der evangelischen Kirche, die vermuteten, die Katholiken würden zur Gegenreformation ausholen, sind mittlerweile verstummt", sagt er. Die Zusammenarbeit der Kirchen in Eisleben sei vorbildlich, und von Anfang an hätten die Helfta-Planer eine evangelische Beteiligung am Projekt erwogen. Die Zusammenarbeit könnte schon bald Früchte tragen, und insgeheim träumen die Kirchen von einem ökumenischen Gymnasium in den Mauern von Helfta. Doch das ist Zukunftsmusik, fürs erste möchten die Pfarrer beider Konfessionen in den bereits nutzbaren Gebäuden eine Wärmestube für Obdachlose einrichten. Dabei werden ihnen zwei Maria-Ward-Schwestern helfen, die seit Anfang September im Kloster wohnen. Sie sind der erste Vorposten der künftigen Gemeinschaft, die vor allem aus Zisterzienserinnen bestehen, möglicherweise aber auch eine Gruppe evangelischer Schwestern umfassen wird.

So viele Pläne, so wenig Geld. Mit dem vierzehn Millionen Mark teuren Grundstück hat sich das Bistum Magdeburg bereits weit aus dem Fenster gelehnt, nun müssen andere Finanzquellen angegraben werden. Fünfzehn Millionen, rechnet der Verband der Helfta-Freunde, wird die Verwandlung der Klosterreste kosten. Mit dem Bauen soll im Frühjahr 1998 begonnen werden.

Äbtissin Schenkl hat im Sommer weit über tausend "Bettelbriefe" verschickt, doch ohne den erhofften Erfolg. Nun möchte sie, daß der Magdeburger Bischof Leo Nowak die Bischofskonferenz einschaltet, und hofft, auch Beziehungen zur politischen Prominenz ausbauen zu können.