Pjetar K. müßte mal einen Aufbaukurs für Bodybuilder belegen. Dann wäre er auf den ersten Blick als Zuhälter zu erkennen. Doch statt Muskelmasse und breiter Brust schiebt der 34jährige K. ein solides Bäuchlein vor sich her.

Der mit seiner Strickjacke so gemütlich aussehende Kroate soll in Hamburg zwei Frauen aus Osteuropa monatelang zur Prostitution gezwungen haben.

Jeden Tag, behauptet die Staatsanwaltschaft, mußten die beiden in einer "Modellwohnung" anschaffen. Bis auf ein Taschengeld habe er den Frauen alle Einnahmen abgenommen. Dem Wunsch nach Ausstieg und Heirat soll Herr K. stets mit massiven Mißhandlungen und Drohungen begegnet sein. Das sind Vorwürfe, die einen längeren Gefängnisaufenthalt begründen können - wenn sie sich beweisen lassen.

Den Gerichtstermin am frühen Morgen vor dem Hamburger Schöffengericht hat er vergessen. Mit dem Handy muß der Anwalt seinen Mandanten unter der Dusche hervorlocken. Mit tropfnassem Haar erscheint Pjetar K. und beantwortet Fragen nach Namen, Alter und Wohnsitz ausgesucht freundlich ebenso höflich weist der Angeklagte jedoch darauf hin, daß er zur Sache nichts sage. Die Aussage eines seiner Opfer soll Herrn K. ins Gefängnis bringen, so das Kalkül der Staatsanwältin.

Tatsächlich scheint die Zeugin Elisabeth T. keine Furcht vor dem Angeklagten zu haben. Aber kaum beginnt sie zu erzählen, wie sie aus Polen nach Deutschland kam und Herrn K. kennenlernte, da wird sie von dessen Verteidiger unterbrochen. Frau T. dürfe "selbstverständlich" alles erzählen, was sie wolle, erläutert der Advokat besorgt. Er wolle der geschätzten Zeugin nur kurz das Zeugnisverweigerungsrecht erklären. Denn falls Frau T. hier etwa der Prostitution nachgegangen sein sollte, obwohl sie doch als Touristin eingereist sei, habe sie sich natürlich strafbar gemacht. Mit einer Aussage würde sie der Staatsanwältin geradezu eine Anklage gegen sich selbst diktieren, erläutert der Anwalt.

"Was, ich würde mich selbst belasten, wenn ich alles erzählen würde?"

Elisabeth T. schaut sich besorgt um. So hat sich die 22jährige die Abrechnung mit Pjetar K. nicht vorgestellt. "Die meisten Verfahren werden ja eingestellt", versucht die Staatsanwältin Frau T. zu beruhigen. Dem widerspricht der Verteidiger entschieden. Eingestellt werde so etwas nur, wenn die Betroffenen irgendwo weit weg in der Ukraine säßen. "Ich habe es selbst erlebt, daß illegale Tellerwäscher zu drei bis sechs Monaten verurteilt worden sind."