So genau wissen wir nicht, wie es war - in den Pionierzeiten des Flugverkehrs. Vielleicht geleitete damals eine freundliche Stewardeß jeden Passagier einzeln zu seinem Platz, nahm ihm den Mantel ab, fragte höflich, ob er bequem säße, und reichte ihm ein Glas Champagner.

Heute stürzen sich alle in die Maschine, als wäre es der allerletzte Flug, und das Flugzeug würde jeden Augenblick ohne sie abheben. Sie drängeln, als wäre die Bordkarte nur ein nutzloses Zettelchen, und es gelte den optimalen Fensterplatz für einen Flug über den Grand Canyon zu ergattern. Dabei fliegen sie nur zeitunglesend sechzig Minuten von Hamburg nach München.

Selbst der sinnvolle, nur leider selten konsequent durchgeführte Versuch, die Eiligen nach Sitzplatzreihen ins Flugzeug zu bitten, zeitigt kaum Erfolg.

Denn sonderbarerweise kommen die Passagiere, die am Fenster sitzen, grundsätzlich erst dann, wenn alle anderen längst angeschnallt sind.

Nach der Landung ein ähnliches Ritual der Ungeduld. Kaum haben die Räder den Boden berührt, aus den Lautsprechern tönt die Litanei "Bitte angeschnallt zu bleiben bis ...", da schnellen die ersten schon aus ihren Sitzen. Als gelte es jetzt wieder einen Wettlauf zu gewinnen: Wer schafft es als erster nach draußen.

Meist verkneifen wir uns mitzuspielen. Außer an den Tagen, an denen wir wirklich dringend einen Anschlußflug erreichen müssen.Wir warten also, bis die Maschine ihre endgültige Halteposition erreicht hat, greifen sodann mit gelassener Weltläufigkeit nach dem Mantel und gewähren höflich dem drängelnden Herrn hinter uns den Vortritt. Bisher sind wir so noch aus jeder Maschine wieder herausgekommen.

Alles kaum der Rede wert, hätte uns nicht unlängst ein junger Mann demonstriert, was wirklich buddhistische Gelassenheit ist. Längst waren die Gepäckfächer leer geräumt, die letzten Ellenbogenrempeleien durchgeboxt, die Reihen stark gelichtet. Da saß er noch immer seelenruhig auf seinem Gangplatz und ignorierte unbeeindruckt jede Geste seiner Mitreisenden, die nun langsam doch das Bedürfnis verspürten zu gehen.