Roman Herzog: "Sprengt die Fesseln!", ZEIT Nr. 46

Mein Bundespräsident ruft zum Laienkonzil in Sachen Bildungsreform. Jetzt ist amtlich, was wir ahnten, aber zu wissen nicht wagten: Vergeßt Reformen, deren Experten Betroffene sind.

Helmut Kaechele, Ammerbuch

Liegt etwas brach im Lande, ist jeder aufrichtige und intelligente Mahner willkommen. Allerdings sollte bei seiner Lektion nicht vergessen werden, daß vor erst dreißig Jahren - das ist nicht viel - die Bildungsmotivation im Lande angekurbelt und viele Strukturen umgekrempelt wurden, daß wir die Hälfte dieser Zeit eine Regierung beobachten, die die annoncierte geistig-moralische Kurve nie gekriegt hat, sondern zum Verkaufen und Konsumieren blies statt zum Lernen. Die Schule der Nation war in dieser Zeit die Fahrschule, immer mehr Achtzehnjährige büffelten für den Führerschein statt für Beruf und Leben, und ihr prominenter sozialer Beitrag bestand im Verstellen der Fußwege mit Automobilen. Da wurde offensichtlich ein enges mit einem weiten Land verwechselt nun werden uns treuen Vasallen wieder die Bildungsmuster eines extrem anders strukturierten Landes nahegelegt.

Nebenbei bemerkt: Die Partei, die fünfzehn Jahre lang keine oder falsche Bildungssignale gegeben hat, so daß es jetzt den Notruf von höchster Stelle braucht, ist die Partei unseres aufrichtigen und intelligenten Mahners höchstselbst.

E. Rita Salsaba, Hannover

Bravo, zum zweitenmal schon eine hervorragende Beschreibung der mittlerweile rückständigen deutschen Bildungslandschaft. Jeden einzelnen Punkt, den Herzog anspricht und diskutiert, kann ich befürworten. Wann beginnen endlich die sogenannten "Meinungsträger" unseres Landes zu begreifen, daß das endlose sich Verweigern eine Sackgasse in das nächste Jahrtausend darstellt? Wann beginnen die betroffenen Studenten und Schüler zu begreifen, daß die momentanen verkrusteten Strukturen ihnen jegliche Zukunftschancen nehmen und sie langfristig im internationalen Vergleich ins Abseits stellen werden? Sind die heutigen Studenten so desinteressiert, realitätsfern und passiv, daß sie für eine der wichtigsten Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft nicht mehr auf die Straße gehen? Martin Bastian, Durham, NC (USA)