Falls es Theo Waigel jemals nach Orange County verschlagen sollte, muß er sich vorsehen. Vor allem beim Essen. Die Wirtsleute in dem südkalifornischen Landkreis finden es furchtbar komisch, fremden Besuchern grüngelbe Frösche in die Tortillas zu packen. Oft ohne sie vorher richtig totzumachen, die Frösche.

Abgesehen von der Gefahr, versehentlich in einen Frosch zu beißen, könnte die Reise für den Bundesfinanzminister aus Bayern aber aufschlußreich sein. Wegen der dortigen Finanzpolitik nämlich. Oder das, was davon noch übriggeblieben ist. Orange County ist pleite. Der Kämmerer mußte Konkurs anmelden, weil er sich gehörig verspekuliert hat. Er hatte irrtümlich auf sinkende Zinsen gesetzt - doch die Renditen stiegen.

Waigel will jetzt ebenfalls Wetten auf niedrige Zinsen abschließen. Offiziell heißt es, es gehe lediglich um harmlose Swaps. Swaps sind - Englischkundige ahnen es - Tauschgeschäfte. Allerdings von begrenzter Dauer. Getauscht werden sollen in Bonn vor allem Schulden mit langen Laufzeiten gegen Schulden mit kurzen Fristen.

Auf den ersten Blick rentiert sich so ein Swap prächtig. So zahlt Waigel heute für eine Bundesanleihe zehn Jahre lang 5,8 Prozent Zinsen. Die tauscht er dann gegen Schulden, die in einem halben Jahr fällig sind und nur 3,8 Prozent Zinsen kosten. Der Knackpunkt aber ist, daß der Swap zehn Jahre lang läuft. So lange muß Waigel immer wieder neue Sechsmonatszinsen zahlen. Die ändern sich und können schnell über 5,8 Prozent steigen. Dann wird es teuer.

Im Prinzip handelt es sich bei Swaps tatsächlich um Wetten. Waigel wettet, daß die Zinsen unten bleiben, während sein Gegenspieler darauf setzt, daß sie steigen. Statistisch gesehen, stehen die Chancen 4 : 6 gegen Waigel. In sechs der vergangenen zehn Jahre waren die Sechsmonatszinsen nämlich höher als 5,8 Prozent.

Wahrscheinlich kennt der Finanzminister das große Risiko. Er kalkuliert offenbar damit, daß es noch etwas dauert, bis die kurzen Zinsen die 5,8-Marke erreichen. Bis dahin spart er eine hübsche Stange Geld. Danach muß der Bund zwar um so mehr zahlen. Aber dann ist Waigel nicht mehr Finanzminister. Ein raffinierter Plan, der eigentlich nur dann schiefgeht, wenn der schlimmste aller denkbaren Fälle eintritt: Helmut Kohl und Theo Waigel gewinnen die Wahl. Wenn das passiert, werden viele ein paar ganz dicke Kröten schlucken müssen - und nicht bloß einen grüngelben Frosch in Orange County.