Schneider: O Gott, wir haben vielleicht hundert Überlegungen gehabt. Wir waren verzweifelt in der Situation: Was machen wir, die Kinder wissen nicht, wo wir sind. Wir konnten ihnen auch keine Nachricht zukommen lassen.

Richter Gehrke: Wann war Ihnen klar, daß Sie dort nicht bleiben können, und wohin sollte die Reise von dort aus gehen?

Schneider: Die Entwicklung in Deutschland war so katastrophal, daß es ausgeschlossen schien, wieder zurückzukehren. Am 14. April sind wir dann nach Miami weitergeflogen.

Richter Gehrke: Wer hat Sie denn in Washington über die Situation in Deutschland informiert?

Schneider: Die Kontaktperson war Professor Djawadi. Er rief dort jeden Vormittag an. Die wichtigste Information war für mich, daß am 8. April die Deutsche Bank mit voller Besetzung bei mir zu Hause erschienen war und in die Unterlagen guckte. In dem Moment wußte ich, es gibt kein Verhandeln, das Thema war zu Ende.

Richter Gehrke: Kam die Festnahme am 18. Mai 1995 in Miami für Sie überraschend?

Schneider: Ja. Ich wollte das Presseecho auf die Fernsehsendung lesen. Luigi Poletti sagte, ich solle zum Zeitungskiosk mitfahren. Als er sich wieder ins Auto setzte, wurde die Tür aufgerissen, und dann stürzte eine Horde Menschen auf mich zu. Schwarze und unmöglich aussehende Leute. Ich dachte im ersten Augenblick: Jetzt wirst du entführt. Und ich habe mich gefreut, als es auf einmal hieß: "FBI!" Dann kamen die Herren vom deutschen Bundeskriminalamt.