Das war wie ein zweites Leben. Die waren dann auch sehr nett.

Richter Gehrke: Sie und Ihre Frau kamen in Auslieferungshaft. Dort hat sich einiges an Anwälten um Sie versammelt, mit unterschiedlichen Vorschlägen und Empfehlungen.

Schneider: Das Abenteuer mit den Anwälten. Ich hatte auf einmal soviel Anwälte, ich wußte gar nicht mehr, wie mir geschah. Man hat mir was weiß ich alles erzählt. Und im Gefängnis ist der Verstand auch irgendwo eingesperrt.

Der erste Gerichtstermin war eine Katastrophe. Ich wäre am liebsten in das kleinste Mauseloch verschwunden, ich habe mich für den Anwalt geschämt. Er hatte aber zu seiner Hilfe Herrn Dr. Rückel mitgebracht. Ich war so froh, ein deutsches Gesicht, ein richtiger Handgriff - ja, das ist etwas, wenn Sie im Gefängnis in Miami sind mit lauter Schwarzen.Wir haben uns sofort verstanden, das ist wirklich ein Glücksfall gewesen.

Richter Gehrke: Am 12. Januar hat er das Rechtsmittel zurückgenommen, am 5.

Februar folgte die Auslieferungsbewilligung durch das US-Außenministerium, am 23. Februar 1996 die Rückkehr nach Deutschland. Wie würden Sie Ihre Inhaftierung in Miami beschreiben?

Schneider: Bis zur Einlieferung lief das vorzüglich. Und auch die Herren vom BKA habe ich trotz dieser furchtbaren Situation alle wirklich in guter Erinnerung. Das Gebäude selbst - ich sage das als Baumensch und als Gefangener - war eine Fehlkonstruktion in sich. Das ganze Ding war aus Beton, total zu, kein Fenster zum Öffnen. Jede Ebene hatte in zwei Abteilungen 130 Gefangene. Die Wände waren nicht gedämmt, und die Gefängniszellen waren um eine freie Stelle herum arrangiert. In so einem Gefängnis entstehen riesige Lärmpegel, das Ganze wirkt wie eine Trommel, der Lärm in diesem Haus war unbeschreiblich.