Viele Bergedorfer konnten die Hiobsbotschaft lange nicht glauben. "Hauni plant Massenentlassungen - das kann nicht sein." Doch Arbeitsdirektor Hans-Heinrich Bruns läßt keinen Zweifel an der bitteren Erkenntnis: "Wenn wir nicht ausreichend reagieren, besteht die Gefahr, in die roten Zahlen zu kommen." 450 von 3000 Beschäftigten der Hauni-Werke sind nach Berechnungen des Vorstands zuviel an Bord. "Es wird nicht ohne betriebsbedingte Enlassungen gehen", sagt der Personalchef.

Mit Hauni trifft es einen Betrieb, dessen Erfolgsgeschichte in der Nachkriegszeit ebenso einzigartig schien wie seine Unternehmenskultur.

Fünfzig Jahre ging es nur aufwärts, die Mitarbeiter partizipierten voll am Erfolg, und für die Hamburger hatte der Industriebetrieb im Vorort Bergedorf einen ähnlichen Nimbus wie einst Mercedes im Schwabenland.

Daß Hauni weniger bekannt wurde, liegt am Produkt: Zigarettenmaschinen.

Obwohl neun von zehn Filterzigaretten weltweit auf Maschinen aus Bergedorf produziert werden, bekommt ein Raucher die schnellaufenden Ungetüme kaum jemals zu Gesicht. Dabei legte Hauni-Gründer Kurt A. Körber, der die erste Filterzigarettenmaschine der Welt konstruierte, eine Nachkriegskarriere hin, die durchaus mit der eines Heinz Nixdorf oder Max Grundig vergleichbar ist.

Wer bei Hauni unterkam, hatte "ausgesorgt". In einem gravierenden Punkt schien Körber Grundig oder Nixdorf sogar noch zu übertreffen: Er hinterließ das Unternehmen bei seinem Tode 1992 in einer guten Verfassung. Eine klug konstruierte Stiftung als alleinige Erbin sorgte dafür, daß der größte Teil des Gewinns im Unternehmen blieb und mit dem Rest das großzügige Kulturmäzenatentum des Gründers fortgeführt werden konnte.

Doch mit Problemen der Zigarettenbranche, mit der das Unternehmen groß geworden war, kommt jetzt auch die erste schwere Krise. Schuld ist der 365-Milliarden-Dollar-Pakt der US-Tabakkonzerne, mit der sie sämtliche Schadenersatzklagen vom Tisch bringen wollen. "Der Deal hat eine Schockwirkung auf die Investoren gehabt", sagt Hauni-Vorstand Bruns, "das schlägt voll durch."