Jeder Wirtschaftsminister ist, schon von Amts wegen, ein Optimist.

Immerfort muß er gut Wetter machen, auf daß Unternehmer und Verbraucher voller Zuversicht ihr Geld ausgeben: Investieren sollen sie und kaufen. Das, nur das, erwärmt die Konjunktur.

Günter Rexrodt aber friert, er zittert vor einem strengen Winter: Bei Dauerfrost, so sagt der Bonner Chefökonom, drohen der Republik fünf Millionen Arbeitslose. 5 000 000! Rexrodt spricht die Zahl aus, als ginge ihn ein solcher Klimasturz wenig an. Schuld hat eben der Wetterfrosch.

Nicht überall ergibt sich die Politik so hilflos der kontinentalen Jobkrise.

Dänen, Iren und Holländer etwa können nach harten Strukturreformen inzwischen stetig weniger Erwerbslose vermelden. Nun hat auch die Europäische Union versucht, der Politik im Kampf für mehr Beschäftigung Beine zu machen: Auf ihrem Sondergipfel in Luxemburg beschlossen die Staats- und Regierungschefs der EU, fortan mehr für Jugendliche und Langzeitarbeitslose zu tun und mindestens jeden fünften ohne Job per Umschulung oder Praktika für einen Neuanfang zu rüsten. Das sind, immerhin, drei richtige Ziele, die dem falschen Trend von Bonns derzeitiger Arbeitsmarktpolitik zuwiderlaufen. Die Koalition wird handeln müssen, will sie sich (vor ihren vierzehn Partnern in Brüssel wie vor Millionen Arbeitslosen daheim) nicht blamieren.

Europa mausert sich - verglichen mit dem Attentismus der deutschen "Standort"-Debatte - zum Tatort. Bislang beschränken sich die Ansätze einer neuen "europäischen Beschäftigungsstrategie" freilich auf Nebensächlichkeiten: Keine noch so gute Arbeitsmarktpolitik vermag schließlich zu reparieren, was eine falsche Wirtschaftspolitik anrichtet. Die Fundamente für mehr Wachstum und mehr Jobs werden - da sind sich alle einig - zunächst in den fünfzehn Hauptstädten gelegt. Zum Beispiel mit einem Reformpaket wie einst in den Niederlanden: Das verpflichtete die Gewerkschaften zu maßvoller Lohnpolitik, entlastete per Steuerreform die Arbeit, machte Investitionen profitabler. Doch statt solcher Taten können Bonns Partner nur ausmachen, wie am Rhein ein permanenter Stellungskampf zwischen Regierung und Opposition die größte Volkswirtschaft Europas lähmt.

Die Folgen dieser nationalen Selbstblockade sind längst bis nach Brüssel zu spüren: Weil ihnen zu Hause keine Reformen gelingen, wagen die Deutschen auch in Europa kaum einen Schritt nach vorn. Dabei würde mehr wirtschaftspolitische Koordination in Europa der Bundesregierung sogar helfen.