DIE ZEIT: Herr Hoffmann, Sie gelten als der Prophet einer demokratischen "Kultur für alle". Als Kulturdezernent in Frankfurt am Main haben Sie vor zwanzig Jahren mit vielen neuen Museen gezeigt, wie die Abkehr von Kunst und Bildung nur für Besserverdienende aussehen könnte. Schmerzt es da nicht, daß Sie nun als Präsident des Goethe-Instituts Häuser schließen, Bibliotheken zusperren, Sprachschüler abweisen müssen?

HILMAR HOFFMANN: Das tut weh. Bis vor kurzem waren es noch 150 Institute in über 70 Ländern auf allen Kontinenten. Nun müssen allein im nächsten Jahr, weil wir die Sparvorgaben der Regierung anders gar nicht abfangen könnten, neun weitere Institute geschlossen werden.

ZEIT: Gibt es nicht, jedenfalls in Europa, inzwischen andere Möglichkeiten, Deutschland, seine Sprache und Kultur kennenzulernen?

HOFFMANN: Nein. Für die Menschen im jeweiligen Gastland bedeuten die Goethe-Institute noch immer den breitesten und lebendigsten Zugang zu Kultur und Lebenswelt Deutschlands. Und nicht zu vergessen: Für die Menschen aus Deutschland sind die Institute virtuelles und reales Fenster zu den anderen.

Mit ihren in langen Jahren gewachsenen Kontakten erschließen sie uns jene Welten außerhalb unserer Grenzen, die immer wichtiger werden. Die Kommunikation in beiden Richtungen hat viel zu tun mit der Zukunftsfähigkeit unseres Landes, ganz abgesehen von Vertrauensbildung und Sympathiewerbung.

Kulturinstitute sind ein Frühwarnsystem für politische und soziale Veränderungen. Hier wird auch Kommunikation auf sprachlicher und symbolischer Ebene gesichert, wenn einmal andere Kanäle der Zusammenarbeit versiegen. Was die Goethe-Institute betreiben in Zeiten globaler Herausforderung, ist Teil einer "Außenpolitik des aufgeklärten Eigeninteresses", wie sie in dieser Form weder von unseren diplomatischen Vertretungen geleistet werden kann noch durch zufällige, schwankende Beziehungen von Kulturwirtschaft oder Kunstaustausch.

ZEIT: Ist die Beziehung zwischen Politik und Kultur für das Ausland wirklich so eng?