"In dieser strengen, elementaren, viel Glas gebrauchenden, dabei Antike und Renaissance beschwörenden ..." Hm. Zehn Wörter lang die Beschreibung einer Sache, die der Schreiber längst kennt, nur der Leser noch nicht - "Architekturmoderne", heureka! Das ist eine der bei Schreibern (und nur bei ihnen) beliebten Ketten vorangestellter Attribute: Bei "Architekturmoderne" angekommen, soll der Leser deren zehn Eigenschaften nachträglich auf sie beziehen aber das kann er nicht, falls er nicht zurückliest - und wer will das schon? Zur Springprozession wird er eingeladen, vierzehnmal auf Seite 68 der vorigen ZEIT zwei Seiten davor sogar über zwölf Wörter hinweg: "Sie ist eine mit einem Günther verheiratete, mit einem Ernst liierte, ein turbulentes Leben führende Frau." Wenn der Schreiber so viel zu sagen hat - warum sagt er's nicht der Reihe nach? In zusätzlichen Sätzen, in angehängten Nebensätzen oder in der eleganten Form des satzwertigen Partizips, wie bei Ernst Jünger: "Die Erschaffung des Menschen, von den Göttern ungern gesehen ..." oder bei Georg Christoph Lichtenberg: "Der Esel sieht aus wie ein Pferd, ins Holländische übersetzt."