Thomas Kleine-Brockhoff: "Betrug an der Jugend", ZEIT Nr. 46

Rente ist keine "soziale Gnade", sondern ein Leistungsanspruch. Niemand käme auf den Gedanken, einem Unternehmer die Zinsen aus seinem Kapital, das er zur Alterssicherung zurückgelegt hat, zu verweigern. Wenn ein solcher Vorwurf erhoben werden kann, so ist er an die Politiker zu richten, die über Jahre in die Kasse der "Zitadelle Rentenversicherung" gegriffen haben, die keine Vorsorge oder Rücklage zur Bedienung der Politiker- und Beamtenpensionen getroffen haben, die Schulden auf Schulden gehäuft und die Zukunft der kommenden Generation in Gefahr gebracht haben.

Gottfried Hampel, Buchholz i. d. N.

Es war einmal ein Land, darin lebte ein Märchenerzähler, der die Möglichkeit und die ZEIT hatte, ein phantastisches Märchen zu erzählen. Dieser Märchenerzähler lebte in diesem Land in großer Angst unter dem "Fluch der späten Geburt". Dieses Land hatte einen Regierungschef, der in der "Gnade der späten Geburt" lebte. Die "Regierenden und ihre Altersgenossen" (Kollektivschuld) steckte der Märchenerzähler in einen Topf und lastete ihnen "Betrug an der Jugend" (Pauschalurteil) an. "Doch Vorsicht!" schreibt er weiter und droht (so muß man den folgenden textlichen Zusammenhang verstehen), so daß sich die "Altersgenossen" (auch ich gehöre dazu) sehr ungerecht beurteilt und tief verletzt fühlen. Der Märchenerzähler lebt vermutlich in einer solch reichen Märchenwelt, daß ihm die Größenordnungen der Renten entfallen sind (oder meinte er etwa die Abfindungen und Pensionen der ehemaligen Regierenden?).

Robert Oberlack, Essen

Ich empfehle dem Verfasser, sich zu erkundigen, was wäre, wenn: die Fremdleistungen nicht mehr der Rentenversicherung angelastet würden (Beitragssenkung auf circa siebzehn Prozent) die Arbeitslosigkeit, wie versprochen, um die Hälfte gesenkt würde die Rentenversicherung nicht zunehmend durch Scheinselbständigkeit und 610-DM-Jobs geschwächt würde die derzeit junge Generation das eigene Wohlergehen nicht weitgehend den Erschwernissen der Kindererziehung vorziehen würde. Hans Graf, Aldenhoven

Endlich wird einmal das Grundproblem angesprochen: die Überforderung der Rentenkassen durch die ältere Generation. Es geht nicht um die Minirenten, die man nicht weiter absenken kann, es geht um Altersbezüge von 3000 bis 6000 Mark, die viele Senioren zur Verfügung haben und die auf Dauer von der jüngeren Generation nicht mehr aufgebracht werden können. Es ist also eine Kappungsgrenze erforderlich, das heißt, Versorgungsbezüge aus öffentlichen Kassen dürfen in Zukunft das Fünffache des Sozialhilfesatzes, circa 2500 Mark, nicht übersteigen. Die ältere Generation muß also zu einem ganz bescheidenen Lebensstil zurückfinden, also Schluß mit dem Rentner-Highlife auf Mallorca.