In den nächsten vier Jahren werden 6,7 Millionen NCs in den Unternehmen dieser Welt installiert werden. Diese diskettenlosen Netzcomputer ohne Festplatte sollen 57 Prozent der Kosten einsparen, die für einen PC aufgewendet werden müssen. Die kompletten Kosten für einen PC in einem Firmennetz belaufen sich auf 10 000 Dollar pro Jahr.

Solche Zahlen werden immer wieder in der aktuellen Debatte zitiert, die sich mit der Zukunft der Computer in Unternehmen beschäftigt. Woher kommen die Zahlen? Warum verlieren die Telephongesellschaften durch die InternetTelephonie 336 Millionen Dollar und nicht 335 oder 340 Millionen? Wer nachfragt, landet unweigerlich bei einer Marktforschungsstudie von Firmen wie Zona Research, Jupiter Communication oder Forrester Research. Knapp fünfzig solcher Consulting-Firmen sind in der DV-Industrie zitierfähig. Branchenprimus ist die Gartner Group, die im letzten Jahr 395 Millionen Dollar Umsatz machte. 550 Marktforscher bearbeiten bei Gartner 400 Themen aus der DV-Industrie und reichen die Ergebnisse an 8300 Kunden weiter. Wie all die Zahlen zusammenkommen, weiß niemand - benutzt werden sie trotzdem.

Nun arbeiten die Beratungsfirmen eigentlich nicht für die Öffentlichkeit, die sie so gerne zitiert. Die zahlenden Kunden sitzen in den DV-Abteilungen größerer Unternehmen, wo man längst die Übersicht über den Computermarkt verloren hat und Berichte von den digitalen Räten einkaufen muß, um auf dem laufenden zu bleiben. Nach einer Erhebung der US-Zeitschrift Information Week kauft eine durchschnittliche US-Firma jährlich 227 dieser prophetischen Reports und gibt dafür 75 000 Dollar aus. Die "Highlights" dieser Berichte werden an die Presse weitergereicht, damit sich wieder neue Kunden melden können, die auch die fünf bis zehn Seiten langen Untersuchungen haben wollen. Diese Gepflogenheiten schwappen jetzt auch nach Europa herüber, wo der Markt für Beratungsleistungen noch vergleichsweise unterentwickelt ist. Dabei geht es nicht nur um die Marktberichte; ein ungleich größerer Aufwand wird für das firmenbezogene Consulting betrieben, bei dem schnell Millionenhonorare fällig werden. Doch das Ergebnis ist mager, behauptet Information Week: In allen Disziplinen bekommen die Beratungsfirmen nur mittelmäßige Noten. Besonders störte die befragten Firmen, daß die Berater wenig über die Quellen ihrer Zahlen und Einschätzungen berichten. Problematisch sei auch die gängige Praxis, nicht zu berichten, wenn eigene Kunden in den Einschätzungen auftauchen. So ist Novell Großkunde der Aberdeen Group - die wiederum Berichte über die Zukunft von Novell verkauft. So gehen die Firmen dazu über, ihre Vorhersagen bei mindestens drei verschiedenen Firmen einzukaufen - ein Schneeballeffekt, der das Geschäft der Branche weiter ankurbelt.

Diese teure Praxis könnte ein Ende haben, wenn sich die einkaufenden Firmen über die Qualität der Vorhersagen untereinander beraten würden. Einen ersten Versuch machte man letzte Woche in einem feinen Hotel abseits der Computershow Comdex in Las Vegas. Dabei kamen erstaunliche Details zu Tage: Computerfirmen wußten zu berichten, daß ihre Produkte nur dann in einem Report Erwähnung fanden, wenn sie selbst Abonnenten der Forscher waren. Mehr als Grummeln gab es jedoch nicht, die Abhängigkeiten sind zu groß: "Es gibt nichts schöneres, als morgens einen Report über unseren Markt zu lesen und dabei unseren Namen an der richtigen Stelle zu finden", erklärte ein Sprecher von Hewlett Packard. Beifall von allen Seiten.

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