Dem Blood pudding wird wohl nie eine internationale Karriere gelingen wie dem ehemaligen Recyclingprodukt Pizza. Blood pudding, auch als Black pudding bekannt, ist ein englisches Resteessen, das aus Blut, Fett und minderwertigen Fleischresten besteht. Blood pudding gehört nachweislich zu den schlechtesten Speisen der Welt.

Wenn Engländer Gemüsereste in der Küche haben, machen sie daraus gern ein Gericht namens Bubble and Squeak. Es besteht grob gesagt aus Kohl, Karotten, Zwiebeln und Kartoffelbrei. Das witzigste an dieser Speise ist noch der Name: Außer ein paar wirklich abgekochten Engländern mag kaum einer das Mahl, es wird international geächtet. Bubble and Squeak zählt, wie eine ganze Reihe anderer Spezialitäten aus England, Schottland, Irland und Wales, zu den Gerichten mit dem miesesten Leumund überhaupt.

Direkt vor Bubble and Squeak in der Hitliste der absolut grauenvollsten Verpflegung: Haggis (mit Haferflocken gefüllter Schafsmagen, Schottland), geräucherte Fledermäuse (Indonesien), Vogelnestsuppe (China), Büffelpenis (Asien), Ochsenmaulsalat (Deutschland) sowie Blubber. Blubber scheint, außer in Eskimokreisen, absolut indiskutabel. Blubber ist rohes Fett von Meeressäugern. Die Ureinwohner von Alaska schätzen das wabbelige Zeug als energiespendende Delikatesse.

Warum löffeln Menschen ungeborene Küken aus befruchteten Eiern? Warum verzehren manche Völker Würmer, Eidechsen und Honigameisen? Für die einen ist gekochter Tigerpenis das Größte überhaupt, die anderen lecken sich nach geschmorter Klapperschlange, gesottenem Schweinsgekröse, gekochtem Hahnenkamm oder Kamelfüßen in Vinaigrette die Finger. Während sich viele Europäer kaum vorstellen können, Kuhurin oder Tee mit Jakbutter zu trinken wie in Indien und Tibet, ekeln sich die meisten Japaner vor verschimmeltem, stinkenden Käse.

Ray Bruman hat eine Theorie entwickelt, nach der viele Kulturen ein Gericht erfinden, das auf Nichteingeweihte absolut ekelhaft wirkt, um sich von Fremden zu unterscheiden. Hobbykoch und Internet-Surfer Bruman stellte seine These im weltweiten Datennetz vor und bat um Beispiele. Die schockierende Rezeptsammlung gab ihm insgesamt recht: Eßsitten dienen auch zur psychologischen Kriegsführung.

Wie wäre es sonst zu erklären, daß Bundeskanzler Helmut Kohl die Freundschaft zu besonders wichtigen ausländischen Staatsgästen dadurch testet, daß er ihnen Saumagen vorsetzt?

In einer amerikanischen Internet-Usegroup zum Thema "Food & Cooking" zettelte Ray Bruman am 16. Juni 1994 eine eher harmlose Diskussion darüber an, warum Amerikaner so wenig Innereien essen, wogegen Franzosen zum Beispiel Hirn mögen und Bayern Kutteln als Schmankerl schätzen. Im Laufe von drei Jahren entwickelte sich die Internet-Seite zu einem weltweiten empirischen Vergleich von Eß- und Trinksitten.