Am Anfang ist es Triumph. (Am Anfang ist es immer so, aber lassen wir das.) Wenn es zum ersten Mal gestürmt hat, wenn eine schwere Nieselfeuchte sich auf die Mauern und die Welt im allgemeinen legt, wenn man in seiner Garderobe seit schier unendlich langer Zeit wieder einmal die Schirme durchzählt (Es scheint immer einer zu fehlen. Vielleicht sollte man sich doch einen ganz teuren kaufen. Einmal im Leben, mit Holzgewinde und einem Griff aus totem Krokodil, den man dann nie verliert, weil er so teuer war. Aber man würde ihn ja nur zu Hause hängenlassen, weil er so teuer war, daß man ihn nie verlieren darf. Und diesen braunen mit Blumen nehmen, der letztes Jahr noch da war.), wenn man im Bus gequälte Mitbürger neben sich nach einem Taschentuch greifen sieht, wenn man die rauhen Kehlen hört, den trockenen, harten Husten, wenn man tränende Blicke auf sich spürt, wenn die menschliche Kreatur, so weit das Auge reicht, allein aus roter Nase besteht - dann ist es eben Triumph. Man wird es schaffen, dieses Jahr. Notfalls zwei Wochen Gran Canaria, und freitags in die Sauna, Spaziergänge bei jedem Wetter, frisch Gepreßten zum Frühstück, drei Flaschen Mineralwasser am Tag, statt Pflaumenkuchen Chicoréesalat: alles wird gutgehen, endlich. Anders als sonst.

Natürlich ist es lächerlich, aus der trivialen Tatsache, daß man gar keine Grippe hat, so etwas wie Genugtuung zu ziehen. Aber ist ein Griff aus totem Krokodil weniger lächerlich? Oder der Gewinn des Kranichsteiner Literaturpreises?

Dann kommt es doch. Es fängt ganz leise an, mit einem Niesen, einer kleinen schlechten Laune, für die es kleine schlechte Gründe gibt. Mit einem lästigen Kopfschmerz, der ja völlig normal ist nach einem anstrengenden Tag.

Dann ist es da. Dann werden die Tempos knapp. Dann schnieft das Leben, keucht und schleimt, hat Atemnot und sieht nichts mehr, röchelt und trägt die Pein zur Daunendecke. Darunter dämmert man die unerträgliche Kränkung aus, nur Mensch zu sein und nichts als das. Und wenn man aufwacht, ist es noch immer so.

Finis