Hätten die französischen Lkw-Fahrer jemals Erfolg gehabt, wenn sie Protestzettel in ihre Fahrerhäuschen geklebt hätten, anstatt die Autobahn zu blockieren? Würden in Berlin heute noch Altbauten stehen, wenn man Anfang der achtziger Jahre nur demonstriert und nicht gleich die leerstehenden Häuser instandbesetzt hätte? Wohl kaum.

Ob Trucker oder Student, wer heute als David gegen Goliath bestehen will, braucht für seine Forderungen maximale Medienpräsenz. Um die zu erreichen, sind (fast) alle Mittel recht. Entscheidend ist der Nachrichtenwert, den die Protestaktionen für die Medien haben. Befriedigt es die Sensationslust des Publikums? Das ist die Frage, die man sich stellen muß. Ob diese Sichtweise moralisch zu vertreten ist, sei dahingestellt. Für eine erfolgreiche Kampagne im Public-Relations-Bereich ist sie obligatorisch.

Wer diese Grundregel moderner Massenkommunikation beherrscht, wird schnell feststellen, daß seine Anstrengungen belohnt werden. Unerhörte und unverschämte Studentenaktionen bescheren ein außergewöhnliches Medienecho, sie überzeugen zaghafte Kommilitonen und motivieren andere Studenten zu weiteren Aktionen. Das wiederum führt zu neuem Aufsehen, bis die betroffenen Politiker schließlich unter dem Druck der öffentlichen Meinung zu Konzessionen bereit sind. Denn wer möchte schon als Buhmann im Rampenlicht stehen, als derjenige, der den armen Studenten die Butter vom Brot klauen will?