Da klettern doch Studenten auf ein Universitätsgebäude und hissen ein riesiges Protestplakat gegen die Sparwut. Das kommt natürlich ins Fernsehen, genauso wie Greenpeace-Aktionen, aber genügt das?

Liebe Kollegen Studenten, nicht nur ums Geld darf's gehen, in den Kassen ist fast überall Ebbe. Euer Protest richtet sich gegen leere Bücherregale in den Bibliotheken, gegen überfüllte Hörsäle. Doch reicht das? Wo ist eure Vision? Was ihr unbedingt braucht, ist ein Anspruch, eine lang andauernde und zähe Kampagne für eine andere Um-Welt! Und wenn's nur eine andere Welt an den Unis ist.

Ihr protestiert gegen so vieles, zu Recht. Aber wofür eigentlich? Ihr kämpft um 300 Fachzeitschriften? Kämpft für die wichtigsten! Schimpft nicht nur über Politiker und Professoren, deren Ausflüchte und deren Auslandsreisen. Sorgt dafür, daß sie ihre kleinen Fluchten nicht mehr antreten können! Ihr wollt keine Revolution, liest man in der Zeitung. Aber was dann? Lernt von den Ossis, die wollten auch keine und brachten trotzdem die Mauer zu Fall!

Ihr müßt das Kind nicht unbedingt beim Namen nennen, sagt ruhig Reform oder Reförmchen dazu. Aber seid unbedingt für etwas, und wenn's was ganz anderes ist. Das ist immer noch besser, als wenn ihr heute nur gegen etwas anrennt, anschimpft oder anklettert und dann morgen als Bettvorleger in euren Studentenbuden landet.