Der Beirat hat entschieden. Nun hagelt es Bescheide. Nach jahrelangen Querelen bekommt das österreichische Monopolradio ORF gleich fünfzigfache private Konkurrenz.

Vom 1. April nächsten Jahres an dürfen die Neuen auf Sendung gehen. Unter ihnen Verlage, Banken, ein Seilbahnbesitzer, ein Skirennfahrer und die katholische Kirche.

Landesweit behält der ORF zwar nach wie vor das Sendemonopol - in jedem Bundesland aber wird es künftig zumindest ein kommerzielles Regionalradio geben, auf lokaler Ebene ist die Liberalisierung noch entschiedener. Dabei klärt nicht immer schon der erste Blick, warum wer den Zuschlag erhielt. Obwohl der tatsächlich so genannte Regionalradiobeirat bei seiner Lizenzvergabe auch das Finanzaufkommen prüfen sollte, konnte sich etwa ein Projekt in Niederösterreich durchsetzen, das sich allein auf Spenden verlassen will: Maria Treu verspricht in ihrem Programm denn auch "grenzenlose Nächstenliebe". Die meisten der neuen Radiomacher haben allerdings in ihrem Konsortium potente Geldgeber - entweder Verlage und Zeitungshäuser oder Geldinstitute.

Rund vierhundert Anträge mußten bearbeitet und mit den Landespolitikern diskutiert werden, ehe am 16. November nach zwölfstündigen Beratungen der "weiße Rauch" über dem Bundeskanzleramt in Wien aufsteigen konnte. Fünfzig Projekte wurden bewilligt, jetzt muß die Fernmeldebehörde die entsprechenden Frequenzen bereitstellen; und dann heißt es: warten und hoffen. Denn schon einmal scheiterte die Radioliberalisierung an Einsprüchen Zukurzgekommener beim Verfassungsgerichtshof.

Rundfunk war bisher in Österreich immer Bundessache. Seit Bestehen des Mediums war das Monopol seine Form - und die Politik sein Schicksal. Und das blieb auch so nach jenem grundlegenden ORF-Gesetz von 1967, das mit Hilfe eines von den Zeitungen getragenen Volksbegehrens zustande kam. Zwar wurde dieses Gesetz mittlerweile mehrmals novelliert, aber es gab keine grundsätzlichen Neuerungen. Der Bund ist säumig gewesen - das stellte sogar ein internationales Verfahren klar, in dem Österreich sinnigerweise wegen der Vorenthaltung wesentlicher Menschenrechte abgemahnt worden ist.

Um in Europa nicht völlig den Anschluß zu verpassen, wurde zwar schon vor zwei Jahren das erste Regionalradiogesetz verabschiedet. Zwei Programmveranstalter senden seither - Radio Melody in Salzburg und die Antenne Steiermark, die der cashcow des österreichischen Radios, nämlich Ö 3, einigermaßen zusetzen und sie in der Hörergunst mitunter auch überholen konnte. In allen anderen Fällen aber wurde die Lizenz ausgesetzt, da jene potentiellen Veranstalter vor dem Verfassungsgerichtshof reüssierten, die damals nicht zum Zuge gekommen waren.

Der Medienexperte Walter Dillenz hat die Lage trefflich charakterisiert: Es sei, als hätte die Amtliche Wiener Zeitung seit 1927 als einzige vom Staat eine Papierzuteilung erhalten, deren Überschußproduktion nun - siebzig Jahre später - an weitere Druckereien und Verlage verteilt werde.