Huhn als Hauptgericht, darauf haben viele gewettet. Aber ein gefülltes Huhn hat nur Bärbel W. aus Worpswede vorausgesagt. Glückwunsch, Bärbel! Gerade drei Monate ist es her, da habe ich gegen Füllungen gestänkert. Und schon wieder ein Meinungswechsel?

Nicht ganz. Denn diese Füllung hat nichts mit der Reis- und Rosinenpaarung der Werkkantinen zu tun. Es ist eine königliche Füllung; deshalb nenne ich es auch "Das königliche Huhn". Als braver Republikaner habe ich es allerdings abgespeckt, indem die teuersten Bestandteile durch solche ersetzt werden, die sich auch eine Akademikerfamilie leisten kann.

Dennoch ist es ein aufwendiges Hauptgericht, was dadurch relativiert wird, daß es ein großes Huhn ist und für sechs Personen reicht. Zunächst aber gibt es eine populistische Leckerei, und der Zwischengang ist auch nicht ohne.

Junger Grana auf Rucola

Da jauchzt nicht nur die Bärbel! Denn nichts ist auf deutschen Tellern so willkommen wie die Begleiterscheinungen italienischer Hausmannskost sowie Salat. Hier ist beides vereint. Der Grana darf auch ein Parmesan sein, nur nicht alt und hart, wie er normalerweise zum Reiben verwendet wird. Er muß sich leicht in dünne Scheiben schneiden lassen, welche nicht größer als ein Fünfmarkstück sind.

Auch den beliebten Rucola (roquette, Rauke) zerpflücke ich in ähnlich kleine Blätter. Er bildet die Unterschicht auf dem Teller, auf ihn lege ich die Käsescheiben. Und beträufelt wird das bescheidene Häufchen mit wirklich altem Balsamico! Wo das dreizehnte Monatsgehalt wegrationalisiert wurde, genügen auch ein paar gehobelte, weiße Trüffelspäne und feinstes Olivenöl, um diesem frugalen Anfang eine festliche Note zu geben.

Da Salate - und dies ist ja einer - immer erst in der letzten Minute hergestellt werden sollten, ist für den zweiten Gang jetzt keine Zeit mehr. Also ist er längst vorbereitet und muß nur noch aufgewärmt werden:

Weiße Bohnencreme

Von diesem Zwischengang bitte nur so wenig servieren, wie in eine Teetasse paßt. Denn die Creme sättigt, ist aber gleichzeitig so lecker, daß der Herr Doktor und seine Familie jegliche Beherrschung verlieren und bis Silvester weiteressen würden.

Weil man die Creme am nächsten Tag aufwärmen kann, nehme ich 300 g getrocknete weiße Bohnen, möglichst kleine, die man auch ohne Einweichen in 11/2 Stunden weich kochen kann (das steht auf der Packung, andernfalls vorher einweichen). Sie werden mit einem fingerlangen, zerhackten Stück Lauch, einer Karotte und einem walnußgroßen Stück Ingwerwurzel, beides ebenfalls gewürfelt, weichgekocht. Dann das Kochwasser bis auf einen Rest abschütten, etwas Sahne dazugießen und alles pürieren. So viel weitere Sahne angießen, daß die Suppe cremig, aber nicht dünnflüssig wird. Jetzt erst salzen und 1 TL Currypulver einrühren. Vielleicht auch 2 TL, aber das hängt von der Schärfe des Currypulvers ab; das müssen Sie abschmecken. Jedenfalls darf es keine fade Pampe sein, sondern ein herzhaftes, dickes Süppchen. In Tassen gießen und nach dem Servieren noch "einen Faden" Olivenöl einlaufen lassen. (Am nächsten Tag aufgewärmt mit gerösteten Brot- und Speckwürfeln.)

Königliches Huhn

2 Kilo muß es wiegen, mindestens. Das ist kein halbstarkes Brathähnchen, sondern eine ausgewachsene Poularde. Auf dem Markt beim Biobauern kann man sie finden und als Bressehuhn in Kaufhäusern. Ich rate, vorzubestellen. Der Frachtraum eines solchen Huhns ist überraschend groß. Es passen hinein: 1 Tasse altbackene Briochewürfel, ohne Rinde, in der Pfanne mit wenig Butter goldbraun geröstet, 1 Tasse eingeweichte, gewaschene, ausgepreßte und ohne Fett trockengebratene Morcheln, größere Exemplare zerschneiden (in feudalen Zeiten: frische schwarze Trüffeln), 1 knappe Tasse gewürfelter Kochschinken, 1 knappe Tasse parierte Hühnerlebern (in feudalen Zeiten: gewürfelte, frische Foie gras), 1 Tasse fein gehackte Blattpetersilie, 1 EL gehackte Pistazienkerne.